Zwangspause: SBFV-Präsident Thomas Schmidt im Interview
SBFV-Präsident Thomas Schmidt Bildquelle Verband

Das Coronavirus hat auch im Amateurfußball in Südbaden zu einer Zwangspause geführt. Seit Freitag und vorerst bis zum 31. März sind alle Spiele und Turniere ausgesetzt. Im Interview äußert sich SBFV-Präsident Thomas Schmidt zur Entwicklung.

Herr Schmidt, wie schwer ist Ihnen und Ihren Kollegen die Entscheidung gefallen, den Fußballspielbetrieb ab der Verbandsliga abwärts in Südbaden auszusetzen?

Thomas Schmidt: Das war sicherlich keine leichte Entscheidung. Wir haben schon Ende Februar eine Koordinierungsgruppe im Verband einberufen, die die Lage intensiv beobachtet hat. Wir hatten zunächst auf Einzelfälle reagiert und einzelne Spiele verlegt. Die rasante Entwicklung in der vergangenen Woche ließ aber letztlich keine andere Entscheidung zu als den Spielbetrieb auszusetzen.

 

Inwiefern?

T.S.: Die Sorge vieler Vereine, vieler beteiligter Menschen war und ist einfach groß. Dies wurde uns in den letzten Wochen von den Bezirksvorsitzenden und Staffelleitern mitgeteilt. Letzte Woche haben wir dann eine zentrale Telefonnummer und E-Mail-Adresse geschaltet, an die sich die Vereine wenden (konnten) können. Binnen kürzester Zeit gab es zahlreiche Anrufe und Meldungen. Bis Freitagvormittag sind bei uns über 60 Meldungen von Vorfällen in unseren Mitgliedsvereinen eingegangen. Es war schnell klar, dass die Vereinsverantwortlichen verunsichert waren.

 

Sind über den Spielbetrieb hinaus weitere Veranstaltungen des SBFV betroffen?

T.S.: Ja. Landesweit wurden die Sportschulen bis Ende der Osterferien geschlossen. Daran angelehnt haben wir auch alle Maßnahmen der Trainerausbildung und in der Talentförderung -wie Stützpunktrainings oder Auswahllehrgänge- vorerst bis zu diesem Termin abgesagt. Vorerst bis Ende März werden wir seitens des Verbandes zudem auf Sitzungen und Tagungen verzichten. Man kann sagen, wir haben den Verbandsbetrieb auf das Notwendigste heruntergefahren.

 

Betrifft das auch die SBFV-Geschäftsstelle?

T.S.: Ja, wir haben die Geschäftsstelle vorerst für den Besucherverkehr geschlossen. Über die anderen Kontaktwege (Telefon, E-Mail) sind hauptamtlichen MitarbeiterInnen aber weiterhin erreichbar.

 

Wie sieht nun die Zeitschiene nun aus, wann wird die Situation neu bewertet?

T.S.: Unsere Koordinierungsgruppe wird auch weiterhin die Situation beobachten und bewerten. Dazu werden wir natürlich auch auf die Expertise der Gesundheitsbehörden vertrauen. Auch werden wir uns mit den anderen Landesverbänden austauschen. Da wir uns in einer einmaligen Situation befinden, sind wir gerade dabei, unsere Satzung und Ordnung auf möglicherweise notwendig werdende Entscheidungen zu überprüfen. Rechtzeitig vor dem 31. März werden wir in enger Abstimmung mit den Bezirksvorsitzenden entscheiden wie es weitergeht.

 

Wenn es nach dem 31. März wieder losgehen soll, müssten die Teams ja auch irgendwie vorbereitet sein. Dürfen die Vereine den Trainingsbetrieb aufrechterhalten?

T.S.: Darauf haben wir als Verband grundsätzlich keinen Einfluss, da diese Entscheidung in der Verantwortung der Vereine vor Ort liegt. Wir appellieren aber an alle Vereine, auch den Trainingsbetrieb auszusetzen.

 

Werden die nun abgesetzten Spiele nachgeholt?

T.S.: Natürlich möchten wir versuchen, den Spielbetrieb komplett durchzuführen, also ausgefallene Spiele nachzuholen. Ob dies aber möglich sein wird, hängt davon ab, wie viele Spiele nachgeholt werden müssen und bis wann wir die Saison zu Ende spielen müssen bezüglich Auf- und Abstiegen. Das wird also -zumindest in den höheren Spielklassen- keine Entscheidung, die ein Verband allein treffen kann.

 

Was passiert, wenn die Saison nicht weitergeführt werden kann?

T.S.: Für diesen Fall werden wir verschiedene Szenarien erarbeiten. Wir werden das in den kommenden Tagen und Wochen intensiv beraten und diskutieren. Es sind viele Modelle und Optionen denkbar, aber zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer zu greifen, da auch dies in vielen Fällen davon abhängt, was in den höheren Spielklassen passiert.

 

Wer wird diese Entscheidung letztendlich treffen?

T.S.: Das ist eine Situation, die noch niemand von uns erlebt hat. Dementsprechend kommen hier neben den vielen spielrechtlichen Themen, wie Auf- und Abstieg, auch weitere Aspekte, wie z.B. das Vereinswechselrecht oder generelle rechtliche Aspekt hinzu. Von daher müssen in die Entscheidungsfindung alle relevanten Gremien des SBFV eingebunden werden. Die letztendliche Entscheidung wird dann der Verbandsvorstand treffen.


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