Schlusspfiff nach gut 40 Jahren
Der langjährige Schiedsrichter Hans-Peter Maier (Zweiter von rechts) vor zwei Jahren nach dem traditionellen AH-Turnier des SC Hofstetten mit AH-Manager Frank-Martin Allgaier (rechts), Vorstandssprecher Edgar Mäntele (von links), den SCH-Schiris Michael A Bildquelle Verein

Mit seinem 60. Geburtstag gab Hans-Peter Maier vom SC Hofstetten seine Pfeife ab. Der frühere Landesligaspieler nutzte 1982 eine lange Verletzungspause, um sich als Schiedsrichter ausbilden zu lassen.

Als er im Frühjahr seinen 60. Geburtstag feierte, stand für Hans-Peter Maier fest, dass er nach fast vier Jahrzehnten als Schiedsrichter, knapp zwei Jahrzehnten als Jugendtrainer und einer erfolgreichen aktiven Zeit als Fußballer nun mehr Zeit seiner Frau und Tochter widmen will. ,,Es war eine schöne Zeit, aber es war jetzt an der Zeit aufzuhören", sagt das Ehrenmitglied des SC Hofstetten. Ab und zu noch Spiele zu leiten, sei auch nicht sein Ding: ,,Ich mache entweder etwas ganz oder gar nicht".

Auch als Ringer talentiert

In seiner Jugend kickte er nicht nur im Sportclub, sondern war auch ein ausgezeichneter Ringer im Kraftsportverein seiner Heimatgemeinde. Wegen einer Ellbogenverletzung blieb Maier dann beim Fußball, zog sich aber 1982 einen Kreuzbandriss im Knie zu - damals in der Landesliga, in der er für den FV Ebersweier und den SC Elzach auf der anderen Bergseite am Ball war. Der pfeilschnelle Linksaußen, der später wieder für den SCH spielte und dort 16 Jahre lang Jugendteams trainierte, war also erst mal länger ausgebremst, nutzte diese Zwangspause jedoch, um sich zum Spielleiter ausbilden zu lassen.

Privates Glück gefunden

In Niederschopfheim beim damaligen Lehrwart Gerhard Schaub war theoretischer Unterricht, ein Regeltest bildete den Abschluss. Anfang der 1980er-Jahre mussten Neulinge mindestens 100 Juniorenspiele geleitet haben, um für Aktive zugelassen zu werden. Daher ist Maier bestens ausgebildet, brachte viele persönliche Erfahrungen als Spieler und Trainer mit. Umso mehr freute er sich, als er auch bei den Senioren Spiele pfeifen durfte: ,,Zeitlich war für mich nicht mehr möglich als die Bezirksliga." Doch selbst in diesem Bereich wurde er nicht nur quer durch die Ortenau, sondern auch nach Villingen, Freiburg oder Horb ausgesandt. Und in Kuhbach funkte es zwischen ihm und Michaela Rösch, die ebenfalls geprüfte Schiedsrichterin war und bis zur Mutterzeit Juniorenspiele leitete. Tochter Nicole trägt ebenfalls das Fußballgen und schnürte für den SC Hofstetten die Kickschuhe.

Viele gute Erlebnisse und ein negatives Spiel

Unzählige Spiele leitete Hans-Peter Maier. In Erinnerung bleibt eine B-Jugend-Partie in Schiltach - nach der Pause lagen auf dem Platz plötzlich fünf Zentimeter Neuschnee, es fielen weiter dicke Flocken, kurz nach Wiederanpfiff entschieden er und die Trainer, dass der Platz nun unbespielbar sei und die Sichtverhältnisse eine Fortsetzung nicht zuließen. Damit traf auf kuriose Weise das Gerücht zu, in Schiltach gäbe es oft zwei grundverschiedene Halbzeiten. Nur einmal kam Maier ins Grübeln, ob er weiter pfeifen soll - nach einem ,,sehr negativen Spiel" in Ichenheim mit vielen Protesten und Beleidigungen. Dafür gab es viele erfreuliche Erlebnisse in seiner Schiedsrichter-Ära. In Offenburg wollte ihn mal ein Zuschauer auf dem Weg zur Kabine abpassen, doch der Heimverein schützte den Referee. Beim folgenden geselligen Zusammensein im Clubheim habe sich, so Maier, der Zuschauer bei ihm entschuldigt.

Für Maier sind Kameradschaft und Zusammenhalt sehr wichtig, ,,wie sie gerade auch in Hofstetten und den Vereinen gelebt werden". SC-Vorstandssprecher Edgar Mäntele wiederum beschreibt Maier als ,,Zuverlässigkeit in Person, der immer alles für unseren SC gegeben hat - als Jugendspieler, Aktiver, Jugendtrainer und Schiri". Daher erhielt er alle Vereinsehrungen und ist seit 2016 sogar Ehrenmitglied.

Nachfolger gesucht

,,HP", wie er kurz genannt wird, hat überdies für das traditionelle große Turnier der Alten Herren stets die Schiris organisiert und selbst gepfiffen. In diesen gut 25 Jahren sind etliche Freundschaften entstanden. Für den Sportclub sei es natürlich schade, so Mäntele, dass Maier nicht mehr pfeift, nachdem gesundheitsbedingt bereits Manfred Schönhardt 2019 aufgehört hat. Der Verein stellt aktuell noch Benjamin Neumaier und Michael Albicker. ,,Damit der Sportclub neue Schiedsrichter gewinnen kann, sollten sich zwei, drei Interessierte zusammentun, Schiedsrichter haben ansonsten das Manko, als Einzelkämpfer unterwegs zu sein", so Maier, der als Schiri die Goldene Ehrennadel des Südbadischen Fußballverbands und die Sonderehrung für ,,30 Jahre Schiedsrichter-Vereinigung Offenburg" erhielt.

Collina war der beste Schiri

Der für ihn beste Schiedsrichter überhaupt sei übrigens der Italiener Pierluigi Collina, von 1998 bis 2003 sechsmal in Folge zum ,,Weltschiedsrichter des Jahres" gekürt. ,,Die Art seines Auftretens beeindruckte mich", betont Maier, der im Zuge der Diskussionen um Bundesliga-Schiri Manuel Gräfe auch zur Altersgrenze von 47 Jahren auf höchster Ebene eine klare Meinung hat: ,,So lange die Schiris ihre Fitnesstests bestehen und ihre Leistungen in den Spielen passen, sollten sie weitermachen dürfen, auch weil mit Erfahrung viel ausgeglichen werden kann."

Nun tritt der Fußball in den Hintergrund für den erfahrenen Hofstetter. Der gelernte Automechaniker ist seit Jahren auch Hobbyimker und hat den Ehrgeiz, sein Eigenheim mit selbst gemachtem Brennholz zu heizen. Was den laufstarken Allrounder fit halten dürfte.


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