Kreisliga A Süd 
Trainer Marco Maier und David Halsinger im Interview
Trainerduo der SG Gengenbach/Reichenbach David Halsinger (l.) und Marco Maier (r.) im Interview Bildquelle SG Gengnebach/Reichenbach

Man verzichtet nie gerne auf etwas, dem man normalerweise mit Leidenschaft nachgeht.

Doppelinterview mit dem Trainerduo David Halsinger und Marco Maier zum bisherigen Saisonverlauf

8 Spiele sind gespielt, 20 Punkte wurden bis dato eingefahren. Nun kam mit dem „Lockdown light“ eine erneute Unterbrechung des Spielbetriebs. Wie lange die Unterbrechung dieses Mal dauern wird, hängt sicherlich vom weiteren Verlauf der Fallzahlen der Covid-19 Infizierten ab. Wir nutzen die fußballfreie Zeit, um mit unserem Trainerduo über den bisherigen durchaus erfolgreichen Saisonverlauf zu sprechen.

Ihr zwei kennt euch ja schon seit eurer Jugend, als ihr gemeinsam eine Zeit lang beim OFV gespielt habt. Nun, viele Jahre später, arbeitet ihr seit ein paar Wochen als Trainerduo zusammen. Wie würdet ihr eure bisherige Zusammenarbeit beschreiben?

David: In der Tat haben wir mal ein Jahr gemeinsam in der D-Jugend beim OFV zusammen gespielt. Dann haben sich unsere Wege aber auch schon wieder getrennt. Im Anschluss haben wir uns aber nie so richtig aus den Augen verloren. Man verfolgt ja immer was die ehemaligen Mannschaftskollegen so machen. Marco hat dann einen interessanten Weg eingeschlagen und war ja dann in seinen Vereinen durchaus eine prägende Figur.
Für mich als Spielertrainer ist es enorm wichtig vor allem bei den Spielen jemanden an der Seitenlinie zu haben, auf den ich mich voll und ganz verlassen kann, sodass ich mich weitestgehend auf die Spielerrolle konzentrieren kann. Auch während des Trainingsbetriebs ergänzen wir uns für mein Empfinden sehr gut. Jeder bringt seine Ideen mit ein und versucht so jeden einzelnen Spieler als auch die Mannschaft im Ganzen weiterzuentwickeln. Extrem wichtig ist auch, dass wir neben dem Platz auf einer Wellenlinie liegen.

Marco: Ich kann David da in allen Aspekten Recht geben. Nachdem ich letzte Saison mein erstes Trainerjahr beim SV Ortenberg hatte und auch dort schon unter guten personellen Bedingungen arbeiten konnte, habe ich mich sehr gefreut, dass die Verantwortlichen der SG auf mich zukamen. Diese Chance so ein spannendes Projekt mitzugestalten wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dass ich hier wieder auf David treffe freut mich sehr. Er war in der Jugend beim SC Freiburg und hat auch hier in der Region bei seinen Vereinen Oberachern, Kehl und Schutterwald in der Verbands- und Oberliga bleibenden Eindruck hinterlassen und viele Erfahrungen gesammelt, die er jetzt weitergeben kann. Wir sind ein sehr junges Trainerduo, das sehr nah an der Mannschaft dran ist. Aber das wollen wir auch. Gemeinsam mit der Mannschaft wollen wir unseren Spielstil finden, festigen und verbessern. Generell sind David und ich uns in vielen Punkten relativ schnell einig. Wenn es dann mal unterschiedliche Meinungen in verschiedenen Bereichen gibt, dann diskutieren wir darüber und finden gemeinsame Lösungen.

Wie habt ihr die ersten Wochen nach der Gründung unserer neuen SG wahrgenommen?

David: Für mich liefen die ersten Wochen durchweg positiv. Das einzige Problem ist dieses Virus, das uns vor allem auf kameradschaftlicher Ebene das ein oder andere Fest verweigert hat, das normalerweise stattgefunden hätte.
Letzte Runde, als wir noch als getrennte Mannschaften an den Start gingen, hatten wir beim SVG oft personelle Probleme. Der Kader war zwar qualitativ gut. Er war aber schlichtweg zu dünn besetzt und so konnten wir Ausfälle kaum kompensieren. Dementsprechend sah auch unser Trainingsalltag aus auf den ich jetzt aber nicht weiter eingehen möchte. Fakt ist jedoch, dass wir nun hervorragende Voraussetzungen haben. Die SG Gründung wurde von allen Spielern beider Vereine positiv aufgenommen. Ich denke manch einer war auch überrascht, wie positiv diese ersten Wochen verliefen. Aus sportlicher Sicht muss man allen ein Lob aussprechen. Die Jungs ziehen gut mit. Auch auf Vorstandsebene wird sehr gute Arbeit geleistet. Es harmoniert einfach.

Marco: Wie bereits gesagt finde ich die SG ein unheimlich spannendes Projekt. Jeder Spieler weiß, dass er immer Vollgas geben muss, da die Konkurrenz im Kader groß ist. Die Jungs, die aktuell in Kader 2 sind, scharren mit den Hufen und wollen sich aufdrängen. Sie zeigen ja auch Woche für Woche in den Spielen, dass auch sie Potential haben. Yannik macht mit den Männern in der Zweiten einen hervorragenden Job. Beide Mannschaften sind bisher sehr erfolgreich, es gibt aber trotzdem noch viele Dinge, die wir verbessern müssen.

Wie nehmt ihr die KLA Süd im Vergleich zur KLA Nord wahr?

Marco: Ich persönlich hatte bisher so gut wie keine Berührungspunkte mit der Südstaffel und hätte daher lieber in der Nordstaffel gespielt. Nachdem nun die ersten acht Spiele absolviert sind, habe ich den Eindruck, dass die Liga insgesamt sehr ausgeglichen ist. Es kann wirklich Jeder, Jeden schlagen. Auffällig sind natürlich auch die kleinen Kunstrasenplätze wie es sie in Kirnbach, Prinzbach, Schapbach und Diersburg gibt. Das ist ein anderer Fußball, an den man sich schnell anpassen muss, sonst geht man da ohne zählbares nach Hause. Gespannt bin ich auch auf das Niveau der Spitzenteams um Orschweier, der Ried SG, Steinach und Mühlenbach, die wir bisher noch nicht als Gegner hatten. In der Nordstaffel drücke ich natürlich meinen alten Kollegen aus Rammersweier die Daumen. Ich denke sie werden sich dieses Mal den ersten Platz sichern und gewinnen das Bezirkspokalfinale. Um Platz 2 werden sich Diersheim, Fautenbach und Tiergarten streiten.

David: Während wir vorletzte Saison noch mit dem SVG in der Süd Staffel spielten, waren wir letzte Saison ja noch der Nordstaffel zugeteilt. Daher kann ich vermutlich tatsächlich den einen oder anderen Vergleich ziehen. In der Nord Staffel gibt es mit Fautenbach und Rammerseier zwei ganz klare Top Favoriten. Tiergarten, Önsbach und Urloffen sind auch sehr unangenehm zu bespielen. Wie man hört kam mit Diersheim ein starker Aufsteiger hinzu. Obwohl wir letzte Saison unter unseren Möglichkeiten geblieben sind, konnten wir in den direkten Duellen mit diesen Mannschaften durchaus auf Augenhöhe agieren und auch Punkte einfahren.
Die Südstaffel, die ja von den Mannschaften her auch eher Richtung Kinzigtal geht und der wir uns rein von der Lage her eher zugeordnet fühlen, ist meiner Meinung nach qualitativ breiter aufgestellt. Hinzukommen die kleinen Kunstrasenplätze, auf denen die Spiele Begegnungen mit einem ganz anderen Charakter sind und in denen es ganz schnell in die eine oder andere Richtung kippen kann.
Summa summarum könnte man vielleicht sagen, dass die Nordstaffel in der Spitze, die Südstaffel in der Breite besser ist. Aber das ist nur mein persönliches subjektives Empfinden. Verstecken müssen wir uns in beiden Ligen vor keiner Mannschaft.

Aktuell ruht ja nun gezwungenermaßen wieder der Ball. Wie steht ihr zur Unterbrechung der Saison durch den Lockdown light?

Marco: Sicherlich hatten wir gerade sportlich einen Lauf und konnten ordentlich Punkte sammeln. So gesehen kam die Pause für uns nicht zum günstigsten Zeitpunkt. Trotzdem steht die Gesundheit von uns allen natürlich über allem. Dementsprechend akzeptieren wir die uns auferlegte Zwangspause natürlich, auch wenn es extrem bitter ist. Ich hätte den Spielbetrieb aufrechterhalten und härter sanktioniert, wenn man sich nicht an die Regeln hält.

David: Ich finde man sollte das etwas differenziert betrachten. Als erstes würde ich sagen, dass man nie gerne auf etwas verzichtet, dem man normalerweise mit Leidenschaft nachgeht. Deshalb regt es mich sehr auf, dass ich aktuell nicht mit den Jungs auf dem Platz stehen kann und beispielsweise im Trainingskick bei „Alt-gegen-Jung“ die Fetzen fliegen können. Andererseits müssen wir uns als Gesellschaft auch eingestehen, dass wir uns an die bis dato vorgegebenen Maßnahmen bzgl. der Corona Pandemie vielleicht nicht ausreichend gehalten haben. Hätten wir alle als Gesamtgesellschaft uns besser an die Vorgaben gehalten, wäre die Zahl der Infizierten eventuell nicht mehr so in die Höhe geschnellt, wie es zuletzt der Fall war und wir hätten somit „ganz normal“ weiterspielen und trainieren können. Nun hat die Politik auf die weiter steigenden Zahlen reagiert und mit härteren Maßnahmen wird versucht die Infiziertenanzahl wieder zu drücken. Wir werden sehen, ob es funktioniert. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz selbst nicht so gegeben ist. Vielmehr ist es das „Drumherum“ wie vielleicht das Bierchen danach, dass dann wieder Potential zur Ansteckung bietet. Ich bin der Meinung man hätte unter strengeren Maßnahmen den Spiel- und Trainingsbetrieb aufrechterhalten können. Selbstverständlich akzeptieren wir aber die Entscheidung und hoffen, dass es uns als Gesellschaft gelingt einen Weg zu finden, wie wir mit dem Virus leben können, ohne auf die Dinge verzichten zu müssen, die uns Spaß und Freude bereiten.

Wie überbrückt ihr die Zeit, bis wieder gespielt wird?

Marco: Aktuell ruht der Trainingsbetrieb in jeglicher Hinsicht. Ab der kommenden Woche gibt es jetzt freiwillige Workouts, die erledigt werden können. Sobald wir sicher wissen, wann die Runde weiter geht können wir dann die Vorbereitung genauer planen. Bestimmt keine einfache Situation, aber es geht ja allen Vereinen so.

David: Der Erhalt der Fitness liegt ja auch an jedem selbst. Es geht letztlich immer um die Frage was man will und was man bereit ist dafür zu tun. Wenn man keine sportlichen Ambitionen hat, dann kann man ruhigen Gewissens jeden Abend auf der Couch mit Chips und Bier verbringen. Wenn man aber körperlich in der Lage sein will in den Spielen auch in der 88. Minute einen Vollsprint unter Maximalbelastung durchführen zu können, um ein vielleicht spielentscheidendes Laufduell für sich zu entscheiden, dann muss man seinen Körper darauf vorbereiten. Das ist nur auf der Couch liegend schwierig zu erreichen. Wobei ich ehrlicherweise dazusagen muss, dass es auf der Couch schon verdammt bequem sein kann.

Welche Ambitionen habt ihr für den Rest der Saison?

Marco: Wir wollen ganz einfach besser werden. Auf allen Ebenen wollen wir Fortschritt erzielen. Wir haben auf Vorstandsebene ein Team, das versucht viel in Bewegung zu setzen. Wir haben sportlich gute Voraussetzungen mit dem großen Kader und dem damit verbundenen Konkurrenzkampf. Wir haben tolle Trainingsbedingungen auf den Sportplätzen in Reichenbach und in Gengenbach. Unsere Aufgabe im Trainerteam ist es vor allem die Mannschaft und die Spieler zu verbessern. Wir sehen uns aktuell am Anfang eines langen Prozesses. Den bisher eingeschlagenen Weg wollen wir so weiter gehen. Tabellarisch haben wir uns keine Ziele gesetzt. Fakt ist aber immer auch, dass man als Fußballer jedes Spiel gewinnen will. So gehen wir auch jedes Spiel an. Wir wollen uns da auch von außen keinen Druck machen lassen.

David: An oberster Stelle sollte zudem immer der Spaßfaktor stehen. Es muss Vorfreude auf die Trainingseinheit da sein. Es muss kribbeln vor den Spieltagen. Wenn der Spaßfaktor da ist und man gerne auf den Sportplatz kommt, dann ergibt sich bei dem natürlich notwendigen Ehrgeiz zur sportlichen Weiterentwicklung, der Rest von ganz alleine.


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