Kreisliga A Süd 
Spielabbruch: Fußballer von Zuschauer rassistisch beleidigt
Nach einer Roten Karte gegen einen Oberweierer Spieler eskalierte die Situation am Sonntag in Grafenhausen. Bildquelle Archivfoto

Ein Spieler des SV Oberweier wurde bei abgebrochener Partie in der Kreisliga A Süd am Sonntag beim SV Grafenhausen von Zuschauern fremdenfeindlich beleidigt.

Nachdem die Partie in der Südstaffel der Fußball-Kreisliga A zwischen dem SV Grafenhausen und dem SV Oberweier am Sonntag nach 40 Minuten beim Stande von 0:0 aufgrund angeblicher Tumulte am Rande des Spielfelds in Folge einer Auseinandersetzung zweier Spieler, die in Tätlichkeiten und einer Roten Karte endete, abgebrochen wurde (wir berichteten), wollten sich die beiden betroffenen Vereine auf OT-Anfrage zunächst nicht näher zum Geschehen äußern. Am Dienstagmittag bezog Michael Hägle, 1. Vorsitzender des SV Grafenhausen, in einer Pressemitteilung dann doch Stellung. Kurz darauf äußerten sich auch Sportvorstand Thomas Ziegler sowie der Spielausschussvorsitzende und Kapitän Michael Kunz vom SV Oberweier in einem Schreiben des Vereins zu den Vorfällen.

Beide Teams distanzieren sich von Rassismus

,,Zu unserem großen Bedauern kam es während der Partie zu einer rassistischen Äußerung aus dem Zuschauerbereich gegen einen dunkelhäutigen Spieler des SV Oberweier, was zu einer längeren Unterbrechung und zum Abbruch der Partie geführt hat", erklärte Michael Hägle und macht deutlich: ,,Der SV Grafenhausen distanziert sich komplett vom Rassismus. Wir stehen für Toleranz und Gleichberechtigung. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn einzelne Unverbesserliche den Fußball dazu missbrauchen, rassistische sowie fremdenfeindliche Parolen zu verbreiten und Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Kultur oder Religion zu beleidigen. Wir sagen nein zu Rassismus!"

Eskalation nach Platzverweis 

Diese klare Haltung im Kampf gegen Fremdenhass teilen auch die Oberweierer Thomas Ziegler und Michael Kunz und verwenden in ihrer Pressemitteilung nahezu den identischen Wortlaut. Bei der Schilderung des Vorfalls gehen die beiden SVO-Verantwortlichen allerdings deutlich tiefer ins Detail: ,,Unser Spieler wurde von einem Zuschauer rassistisch beleidigt. Der Schiedsrichter wurde von den Spielführern beider Mannschaften hierauf aufmerksam gemacht. In der Folge wurde das bis dato äußerst faire Spiel, angestachelt von den Zuschauern, sehr hitzig und emotional. Immer wieder war in Richtung unseres Spielers zu hören ,den kriegen wir auch noch vom Platz' oder ,jetzt wird gejagt'." Die folgenden Spielszenen seien von harten Zweikämpfen geprägt gewesen, für ein Foulspiel und Reklamieren sah der SVO-Akteur Gelb-Rot. ,,Wir als Verantwortliche konnten unseren Spieler beruhigen und vom Platz führen. Gerade als wir die Seitenlinie überquerten, rannten uns zwei Zuschauer entgegen und brüllten wiederum rassistische Parolen in unmittelbaren Nähe zu unserer Ersatzbank. Somit war die Situation völlig außer Kontrolle, und Fäuste flogen auf beiden Seiten. Auch einem Spieler unserer zweiten Mannschaft wurde von einer dritten Person zweimal ins Gesicht geschlagen", heißt es in der Pressemitteilung des SVO weiter.

Solidarität zu Mitspieler

Nach einer mannschaftsinternen Beratung entschied sich der SV Oberweier, das Spiel nicht mehr weiterzuführen: ,,Die Entscheidung resultiert zum einen aus Respekt und Solidarität zu unserem Mitspieler, zum anderen sollte verdeutlicht werden, dass die menschliche Würde unantastbar ist, unabhängig von der Abstammung. Die rassistischen Äußerungen waren letztendlich der ausschlaggebende Punkt, dass wir als SV Oberweier unter diesen Voraussetzungen nicht mehr weiterspielen wollten - auch völlig unabhängig davon, welche Auswirkungen dies auf eine entsprechende Spielwertung hat. Hier geht es nicht mehr um Fußball oder um Punkte. Hier geht es um viel mehr, nämlich um einen Menschen."


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