Oberliga Baden-Württemberg 
Der Offenburger FV - und der Ruf der Oberliga
Der neue Trainer Sascha Ruf (r.) hat ab sofort das Kommando an der Badstraße. Der spielende Co-Trainer Marco Petereit (M.) und Torwarttrainer Maurice Luther (l.) unterstützen ihn. Bildquelle Christoph Breithaupt

Der Offenburger FV folgt dem Ruf der Oberliga - in doppelter Hinsicht. Erstens heißt der neue Trainer Sascha Ruf. Und zweitens sind die Kicker von der Badstraße zum fünften Mal in die Oberliga Baden-Württemberg aufgestiegen.

Konkurrenzfähig waren sie nur von 1978 bis zum ersten Abstieg 1991. Dann folgten drei Intermezzi. Auch jetzt droht wieder ein Kurztrip. ,,Wir sind Außenseiter", sagt Präsident Norbert Großklaus, ,,um drinzubleiben, brauchen wir ein kleines Wunder."
Für viele ist der OFV als Meister des traditionell schwächsten Landesverbandes Südbaden nur Vogelfutter. Ruf hofft auf mehr - nicht nur weil er muss. ,,Die Oberliga ist ein Pfund", weiß auch er, ,,die ersten acht Plätze sind vermietet an etablierte Clubs." Aber der neue Coach kennt den enormen Teamgeist seiner Mannschaft. ,,Da ist maximaler Zusammenhalt", sagt er, ,,man hat das Gefühl, viele Freunde spielen miteinander Fußball."

Burgfrieden - genau das ist es, was Ruf braucht. Denn der 36-jährige Lahrer hat eine Menge an den Hacken: frisch verheirateter Häuslebauer samt Handwerker-Stress, dazu der Lehrer-Job am Oken-Gymnasium inklusive Leitung des Fußball-Profils. Und jetzt noch die Oberliga mit all den Trainingseinheiten, Video-Analysen und weiten Auswärtsfahrten. ,,Mein Handy", sagt er, ,,steht nie still."

Hungriges Trainer-Team

Aber Ruf kann sich auf ein hungriges Trainer-Team stützen. Torjäger Marco Petereit ist der neue, noch spielende Co-Trainer, mit Patrick Pohnke tauscht sich der Cheftrainer während des Spiels auf der Bank aus, und Maurice Luther coacht die Torhüter. Das Gespann Ruf/Petereit bekam in der Winterpause den Zuschlag - eine Entscheidung, zu der es im Vorstand unterschiedliche Ansichten gab. Denn der erfolgreiche Coach Benjamin Pfahler, der den OFV anschließend trotz allem zum Aufstieg führte, musste gehen.

Das Thema ist durch und Heinz Falk, das greise Oberhaupt des Verwaltungsrates, versichert: ,,Ruf und Petereit werden von der Mannschaft respektiert und kommen gut an! Aber wie kommt der OFV in der Oberliga an? Ruf hat an der Physis gearbeitet: ,,Es gab Sonderschichten im Sportpark Schutterwald." Taktisch lässt er zwei Systeme einstudieren. Und er hat das Gefühl, dass die neuen Spieler keine Anlaufzeit brauchen. ,,Wir haben uns punktuell verstärkt. Mit Blick aufs Kollektiv meine ich, das reicht."

Pfrimmer der Königstransfer 

Der Königstransfer kommt aus Illkirch-Graffenstaden und muss noch reamateurisiert werden. Nicolas Pfrimmer (23) hat in Frankreich in der vierten Liga gespielt und könnte einer sein, der den zum Regionalligisten Bahlinger SC abgewanderten Fabio Kinast ersetzt. ,,Die Spielstile der beiden sind ähnlich", sagt Ruf.

Für die Offensive hat sich der OFV einen routinierten Franzosen geholt. Jean-Gabriel ,,John" Dussot (33) spielte schon für den SV Oberachern und zuletzt in Linx. Doch in der Szene gilt er als Wackelpudding. Häufig verletzt, oft gefehlt wegen zusätzlicher Verpflichtungen in einer Futsal-Liga. Letzteres soll vorbei sein. ,,Das haben wir mit ihm vereinbart", sagt Falk. Der Trainer ist bei Dussot bis jetzt voll des Lobes. ,,Er ist sehr gewissenhaft und bei jeder Trainingseinheit da", sagt Ruf, ,,ich habe das Gefühl, er könnte eine Leitfigur für unsere jüngeren Franzosen sein.

Von denen sticht einer besonders ins Auge: Stéphane Dzikang Njike, den alle ,,Stef" nennen. Der 18-jährige Straßburger ist nicht nur der schnellste Mann im Team, sondern hat richtig Power. ,,Er macht eine Menge Druck, muss aber in der Spieleröffnung dazulernen", sagt Ruf. Als hochbegabt gilt auch der offensive Moritz Bandle, der mit Njike in der U19 spielte. Ruf kennt ihn vom Stützpunkttraining und vom Oken-Gymnasium: ,,Bei ihm habe ich große Hoffnungen, dass er sich etabliert."

Gute Mischung im Kader

Vom Verbandsligisten SC Lahr kam Yannic Prieto. ,,Ein technisch starker Mann mit viel Selbstvertrauen im Spiel", meint der Trainer.
In dieser Hinsicht wird Prieto mit Sicherheit übertroffen von einem, der es partout nochmal wissen will. Florian Streif, der mit 15 in Berlin im Schwimmbad mit Jérôme Boateng kickte, will mit 33 Jahren nochmal dorthin, wo er beim OFV schon 2012 war: Zwischen die Pfosten in der Oberliga.

Dazu müsste der vom Bezirksligisten SV Oberkirch zurückgekehrte Streif nicht nur an Jonas Witt vorbei, der letztes Jahr die Nummer eins war, sondern auch an Talent Kai-Robin Knöller. Das Trainer-Team will noch vor dem ersten Spiel am Freitag in Oberachern eine Entscheidung treffen.

Ruf setzt auf die Mischung: ,,Wir haben eine gute Symbiose aus ganz jungen Wilden und den Etablierten der letzten Jahre." Dazu gehören der neue Kapitän Louis Beiser-Biegert, Petereit, Marco Junker, Maximilian Leist, aber auch schon Noah Hirth, Simon Leopold oder Luca Ernst und Jonas Pies. Und vor allem Jacob Harter, der sich als Sechser unverzichtbar gemacht hat. Doch er steht nur eingeschränkt zur Verfügung. Die ersten drei Spiele verpasst Harter wegen seinem Urlaub in Peru. Im Herbst beginnt er ein Studium in Stuttgart und steht deswegen nur zum Abschlusstraining und den Spielen zur Verfügung. Ansonsten will er bei einem schwäbischen Club mittrainieren.

Sponsoren-Suche

Ersetzen muss der OFV vorerst Dimitrios Tsolakis (Oberschenkel), Samuel Geiler (Kreuzbandriss), Markus Feger (Venenthrombose) und Dennis Kopf (Knie).

Was das Finanzielle angeht, wissen sie an der Badstraße, wo sie herkommen. ,,Wir sind finanziell gesund", sagt Großklaus, ,,aber mein großer Wunsch ist, dass die Firmen in Offenburg und Umgebung ihre Türen öffnen für den OFV." Mit Alt-OB Edith Schreiner, die dem Aufsichtsrat angehört, hat der Präsident eine Liste von potenziellen Geldgebern erstellt, die beide nun gemeinsam besuchen wollen.

Zu den Unterstützern zählt auch Ex-Vorsitzender Louis Fischer (92), der seiner alten Liebe OFV von Luzern aus unter die Arme greift.
Weltklasse-Speerwerfer Johannes Vetter gibt als Aufsichtsrat Tipps im Training und Christina Obergföll hat einen Vortrag zum Thema Ernährung gehalten. Sie tun, was sie können beim OFV. Den Notruf wollen sie unter allen Umständen vermeiden.

Offenburger FV

Der Verein (www.offenburgerfv.de):
Präsident: Norbert Großklaus.
Vorstand Verwaltung: Nicole Storost.
Vorstand Finanzen: Stefan Klein.
Vorstand Marketing: Frank Stetter.
Vorstand Sport: Stefan Klein (kommissarisch).
Vorstand Öffentlichkeitsarbeit: Frank Stetter (kommissarisch).
Teammanager: Sebastian Reichel.
Verwaltungsrat: Heinz Falk (Vorsitzender), Hubert Benz, Dieter Herr, Bernd Mik, Rolf Leonhardt.
Aufsichtsrat: Helmut Becker, Michael Elsté, Uwe Hoffmann, Edith Schreiner, Johannes Vetter.

Erfolge: Deutscher Amateur­meister 1984; südbadischer Meister 1952, 1953, 1954, 1958, 1960, 1961, 1967, 1974, 1975, 2008, 2001, 2016, 2022.

Saison 2021/2022: Meister der Verbandsliga Südbaden.
Saisonziel 2022/2023: Klassenerhalt in der Oberliga Baden-Württemberg.

Karl-Heitz-Stadion: 10.000 Besucher.

Trikotwerbung: Kabel- und Tiefbau.

Der Kader:
Tor: Jonas Witt, Kai-Robin Knöller, Florian Streif.
Abwehr: Max Distelzweig, Noah Hirth, Luca Kehl, Maximilian Leist, Simon Leopold, Tim Meißner, Luca Repple, Eric Wollny.
Mittelfeld: Moritz Bandle, Louis Beiser-Biegert, Luca Ernst, Markus Feger, Ruben Garcia, Samuel Geiler, Jacob Harter, Dennis Kopf, Jonas Pies, Nicolas Pfrimmer, Torben Stockburger, Dimitrios Tsolakis.
Angriff: Jean-Gabriel Dussot, Stéphane Dzikang Njike, Marco Junker, Marco Petereit, Yannic Prieto.

Zugänge: Jean-Gabriel Dussot (SV Linx), Yannic Prieto (SC Lahr), Nicolas Pfrimmer (FA Illkirch Graffenstaden), Ruben Garcia, Moritz Bandle, Tim Meißner, Kai-Robin Knöller, Torben Stockburger, Stéphane Dzikang Njike (alle eigene U19)

Abgänge: Emiliy Mugeta (FC Denzlingen), Fabio Kinast (Bahlinger SC), Martin Weschle (Karriereende), Johannes Vögele (DJK Welschensteinach), Naim Jaaouf (Auslandsstudium), Diego Carolina (Ziel unbekannt).

Trainer: Sascha Ruf.
Co-Spielertrainer: Marco Petereit.
Co-Trainer: Patrick Pohnke.
Torwarttrainer: Maurice Luther.

Spielleitung/Organisation: Martin Scheffler.
Spielleitung/Teamkoordination: Günter Bätzler.
Corona-Beauftragter/Koordinator Jugend: Alexander Früh.
Mannschaftsarzt: Dr. Harry Hölzer.
Physiotherapeut: Timo Muschiol.
Teambetreuer: Christoph Brotz.
Stadionsprecher: Martin Schmidt.

Vorbereitungsspiele
OFV - SC Durbachtal 5:0
OFV - SV Stadelhofen 0:0

Hohberger Sommermasters in Niederschopfheim (30 Minuten):
OFV - SC Offenburg 0:0
OFV - SV Niederschopfheim 6:0
OFV - FV Rammersweier 1:1
OFV - VfR Elgersweier 1:0
OFV - FV Rammersweier 3:0

OFV - FC Denzlingen 1:1
OFV - Bahlinger SC 1:2
OFV - SV Linx2:2

Südbadischer Pokal
FC Ottenhöfen - OFV 0:2


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