Bundesliga 
SC Freiburg bereit für die Europa League
SC-Trainer Christian Streich (M.) hatte beim Pflichtspielauftakt in Kaiserslautern viel Redebedarf, am Ende kam der SC Freiburg im Pokal aber eine Runde weiter. Bildquelle Achim Keller

In der kommenden Saison wird der SC Freiburg in drei Wettbewerben vertreten sein. Vor den Herausforderungen der vielen englischen Wochen haben die Freiburger Respekt, sehen sich mit einem breiten und qualitativ gut besetzten Kader aber dafür gerüstet.

Aufgefallen ist in der Vorbereitung auf die Saison 2022/23, dass beim SC Freiburg nicht alle davon reden, dass es erst mal wieder nur um den Klassenerhalt geht. Nicht zuletzt durch den Einzug ins DFB-Pokal-Finale in der Vorsaison ist das Selbstbewusstsein der Freiburger gewachsen, und gleichzeitig auch die Außensicht auf den Verein, der im Mai zehntausende Fans mobilisiert hat. Diese besondere Reise nach Berlin würden alle beim Sport-Club gerne noch mal erleben, dann natürlich mit einem Happy End. Aber sie sind sich auch bewusst, dass es sehr schwierig wird, das zu wiederholen. Und beinahe wäre diesmal sogar schon in der ersten Runde Schluss gewesen. Nur mit Mühe setzte sich der SC bei Zweitliga-Aufsteiger Kaiserslautern in der Verlängerung 2:1 durch.

Verstärkungen für die Offensive

Den entscheidenden Treffer erzielte Neuzugang Ritsu Doan mit einem direkt verwandelten Freistoß. Der japanische Nationalspieler hat seine technischen Fähigkeiten und seine Torgefahr schon in den Testspielen aufblitzen lassen. ,,Er ist sehr beweglich und unberechenbar, das bringt uns schon Optionen im Offensivspiel", sagt Trainer Christian Streich über den 24-Jährigen, der von PSV Eindhoven kam, aber schon ein Jahr Bundesligaerfahrung mit Arminia Bielefeld gesammelt hat. Ebenfalls für die Offensive wurde der österreichische Nationalspieler Michael Gregoritsch verpflichtet, der im Tausch für Ermedin Demirovic kam, und auch der von vielen umworbene Mittelfeldspieler Daniel-Kofi Kyereh (1. FC St. Pauli) soll vor allem in diesem Bereich eine Verstärkung sein.

Größere Konkurrenz

Die größere Konkurrenz mache den Sport-Club ,,nicht automatisch stärker", erklärt Streich, ,,es geht darum, wie wir als Gruppe agieren - Neuzugänge bringen nur etwas, wenn es funktioniert". Allerdings gehörten Doan und Gregoritsch schon beim Pokalauftakt zur Startelf, und sind für die Bundesliga genauso Stammplatzkandidaten wie der vierte Spieler, der von außen hinzugeholt, beziehungsweise zurückgeholt wurde. Nationalspieler Matthias Ginter soll bei seinem Ausbildungsverein zu der Stärke zurückfinden, die ihm zuletzt in Mönchengladbach etwas abhanden gekommen war.

Hohe Erwartungen an Ginter

,,Wir freuen uns alle wahnsinnig, und die Zuschauer auch, das heißt aber auch, dass es keine geringe Erwartungshaltung an ihn gibt", sagt Streich. Er habe dem 28-jährigen gebürtigen Freiburger aber klar gemacht, dass er ,,keine Wunderdinge" vollbringen müsse. Und Ginter wird beim Sport-Club auch nicht als Eins-zu-eins-Ersatz für den zu Borussia Dortmund abgewanderten Nico Schlotterbeck gesehen, weil er menschlich und sportlich ein anderer Typ ist. Schlotterbecks ,,große Klappe" und sein Selbstvertrauen haben dem SC gutgetan, das haben vergangene Saison mehrere Spieler zugegeben, jetzt wollen sie davon zumindest ein bisschen selbst übernehmen.

Höler und Schade noch verletzt

Auf dessen Position als linker Innenverteidiger wurde Philipp Lienhart geschoben, der seinen Platz rechts an Ginter abgeben musste. Der einzige echte Linksfuß, Nicos Bruder Keven Schlotterbeck, schaffte es in Kaiserslautern nicht mal in den Kader. Und das galt auch für Vize-Kapitän Jonathan Schmid. Diese beiden Personalien sind ebenfalls Ausdruck dafür, dass der Kader breiter und die Konkurrenz größer geworden ist. In der Offensive werden sich im Laufe der Saison auch noch die derzeit verletzten Lucas Höler (Mittelfußbruch) und Kevin Schade (Bauchmuskel-OP) dazu gesellen, die allerdings beide noch eine Weile ausfallen werden. Nur für Mittelfeldspieler Janik Haberer (Union Berlin) wurde bislang kein Ersatz verpflichtet. Der Lahrer Robert Wagner aus dem eigenen Nachwuchs wurde zwar zu den Profis befördert, soll aber in Ruhe aufgebaut werden.

Manchester United Wunschgegner

Die zusätzlichen Spiele durch die Gruppenphase der Europa League, die Anfang September beginnt, erhöhen aber für alle die Einsatzmöglichkeiten. ,,Wir haben fast jede Position doppelt besetzt, deswegen ist es auch eine Chance, viel Spielzeit zu kriegen, und wenn es gut läuft, kann man die Rotation anwerfen", sagt Christian Günter. Der SC-Kapitän sieht den Verein für die internationalen Spiele besser gerüstet als bei der letzten Teilnahme 2013. Damals liefen teilweise Spieler aus der zweiten Mannschaft auf, um Profis für die Liga zu schonen, und nach der Vorrunde waren die Freiburger draußen.

Ziel sei es, ,,europäisch zu überwintern", betont Günter, der sich wie viele seiner Kollegen Manchester United (,,Das wäre ein absoluter Traum.") als einen Gegner wünschen würde. Die Auslosung ist allerdings erst Ende August, kurz vor dem ersten Gruppenspiel. Günter war schon 2013 dabei und weiß, was auf das Team zukommt. Trotz der Dreifachbelastung überwiegt die Vorfreude auf die europäischen Nächte.

25.000 Dauerkarten

Und sie ist auch bei den Fans groß. Für die Bundesligasaison wurde der Dauerkartenverkauf bei 25.000 gestoppt, damit auch noch andere zumindest bei einzelnen Partien live dabei sein können. Das 34.700 Zuschauer fassende Europa-Park Stadion dürfte so gut wie immer ausverkauft sein. Dazu kommt für die Fans die erfreuliche Nachricht, dass es als Modellversuch in dieser Saison in der Europa League auch wieder Stehplätze geben wird, die der Sport-Club in den Heimspielen nutzen kann. Offen ist derzeit allerdings noch in welchem Umfang. ,,Eine super Entscheidung" nennt das Streich, der von den Sportjournalisten zum ,,Trainer des Jahres" gekürt wurde. Für die kommende Saison ist der 57-Jährige ,,kritisch, aber inzwischen leicht optimistisch" gestimmt.

SC Freiburg

Der Verein (www.scfreiburg.com):

Vorstand: Oliver Leki (Finanzen), Jochen Saier (Sport)
Präsident: Eberhard Fugmann
Aufsichtsratsvorsitzender: Heinrich Breit
Sportdirektor: Klemens Hartenbach

Erfolge: 1993, 1998, 2003, 2009 und 2016 Aufstieg in die Bundesliga; 1995 Platz 3 in der Bundesliga (Uefa-Cup-Qualifikation); 2001 dritte Runde im Uefa-Cup, 2013 Platz 5 (Europa League Qualifikation); 2017 Platz 7 (dritte Runde Europa League Qualifikation), 2022 Platz 6 (Qualifikation Europa League) und DFB-Pokal-Finalist

Letzte Saison: 6. Platz in der Bundesliga

Europa-Park Stadion: 34.700 Plätze (alle überdacht)
Trikotwerbung: Cazoo
Internet: www.scfreiburg.com

Der Kader:

Torhüter: Mark Flekken, Benjamin Uphoff, Noah Atubolu
Abwehr: Kimberly Ezekwem, Matthias Ginter, Manuel Gulde, Christian Günter, Lukas Kübler, Philipp Lienhart, Keven Schlotterbeck, Kiliann Sildillia, Hugo Siquet
Mittelfeld: Ritsu Doan, Maximilian Eggestein, Vincenzo Grifo, Nicolas Höfler, Yannik Keitel, Daniel-Kofi Kyereh, Roland Sallai,
Jonathan Schmid, Robert Wagner, Noah Weißhaupt
Angriff: Nishan Burkart, Michael Gregoritsch, Lucas Höler, Wooyeong Jeong, Nils Petersen, Kevin Schade

Abgänge: Ermedin Demirovic (FC Augsburg), Janik Haberer (Union Berlin), Luca Itter (Greuther Fürth), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Niclas Thiede (SC Verl)
Zugänge: Ritsu Doan (PSV Eindhoven), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Michael Gregoritsch (FC Augsburg), Daniel-Kofi Kyereh (FC St. Pauli), Robert Wagner (eigene U23)

Trainer: Christian Streich (seit Januar 2012)
Co-Trainer: Lars Voßler, Florian Bruns, Patrick Baier, Michael Müller (Torwarttrainer), Daniel Wolf, Maximilian Kessler (beide Athletiktrainer)

Mannschaftsarzt: Dr. Helge Eberbach, Dr. Jochen Gruber, Dr. Markus Wenning
Physiotherapeuten: Markus Behrens, Florian Mack, Torge Schwarz, Uwe Vetter

Vorbereitungsspiele
SC Freiburg - SV Elversberg 0:0
SC Freiburg - FC St. Gallen 4:3
SC Freiburg - Rayo Vallecano 3:0
SC Freiburg - Stade Rennes 1:0
SC Freiburg - R. Straßburg 3:3

DFB-Pokal, 1. Runde
1. FC Kaiserslautern - SCF n.V. 1:2


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