,,Eine positive Lehrstunde" für den SV Oberachern
Nico Huber (l.) war mit seinem Treffer der Mann des Tages für den SV Oberachern. Hier kommt er gegen Gladbachs japanischen Innenverteidiger Ko Itakura einen Tick zu spät. Bildquelle Stephan Hund

Der SV Oberachern war im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach wie erwartet chancenlos und verlor mit 1:9 - aber Nico Huber sorgte für den Moment, auf den alle gehofft hatten.

Der größte Tag der Vereinsgeschichte des SV Oberachern endete wie erwartet mit dem Ausscheiden im DFB-Pokal. Beim 1:9 (0:6) gegen den fünffachen deutschen Meister Borussia Mönchengladbach kassierte der Fußball-Oberligist ein paar Gegentore mehr als erhofft. Aber das Erlebnis, vor inoffiziell 12.000 Zuschauern im Freiburger Dreisamstadion gegen den haushohen Favoriten angetreten und mutig aufgetreten zu sein, bleibt den Spielern und Verantwortlichen für immer. ,,Wir haben heute eine ordentliche Lehrstunde bekommen. Aber es war eine Lehrstunde im positiven Sinn", fasste SVO-Trainer Fabian Himmel die 90 Minuten bei brütender Hitze im Breisgau zusammen.

Und es gab den einen Moment, der die Tribüne zum Beben brachte. Genau eine Stunde war gespielt und die Borussia hatte die Partie mit acht Treffern längst entschieden, als Luca Fritz zu einem langen Ball von der rechten Außenbahn ansetzte, der punktgenau bei Nico Huber landete. Der langjährige SVO-Torjäger pflückte das Leder mustergültig aus der Luft und setzte mit dem zweiten Kontakt aus 15 Metern zu einem trockenen Schuss ins lange Eck an, gegen den Gladbachs Keeper Moritz Nicolas, der den verletzten Yann Sommer und Ersatzmann Tobias Sippel (Corona-Fall in der Familie) vertrat, nicht den Hauch einer Abwehrchance hatte.

Huber, in den letzten Jahren das Gesicht des SV Oberachern und äußerst beliebt auch außerhalb des Vereins, drehte jubelnd ab in Richtung Nordtribüne, wo die SVO-Fans in einen Rausch verfielen, als hätte ihr Team den Favoriten gerade aus den Pokal gekegelt. ,,Einfach ein wunderbarer Moment, den jeder in unserem Team gerne gehabt hätte. Auch wenn es das 1:8 war. Für uns war es die Belohnung für eine insgesamt couragierte Leistung - auch wenn sich das im Ergebnis vielleicht nicht widerspiegelt."

Ein großes Lob erhielt Huber und auch der SVO allgemein auf der Pressekonferenz von Daniel Farke, der sein erstes Pflichtspiel als Gladbach-Trainer erfolgreich gestalten konnte. ,,Das Tor war klasse herausgespielt, vom Torwart über die reichte Seite bis zu Nico Huber, der den Ball fantastisch verarbeitet hat. Auch wenn wir das gerne besser verteidigt hätten war es der absolut verdiente Lohn für einen couragierten Auftritt des SV Oberachern, dessen Spielidee von Anfang an klar zu erkennen war", zollte Farke dem Außenseiter großen Respekt.

Früher Rückstand

Sein Trainerkollege Himmel hatte elf Spieler auf den Rasen geschickt, die sich diese Partie mit dem südbadische Pokalsieg verdient hatten. Die Neuzugänge saßen erstmal auf der Bank. Das Pokal-Abenteuer begann für den SVO nach einer Schweigeminute für Uwe Seeler um 15.32 Uhr. Und exakt 123 Sekunden nach dem Anpfiff zappelte das Leder bereits im Netz. Das schnelle Passspiel der Gladbacher über Alassane Plea und Kapitän Lars Stindl überforderte den Oberligisten und Marcus Thuram schob lässig an Keeper Mark Redl vorbei zum 0:1 ein. ,,Das frühe Gegentor wollten wir natürlich vermeiden", analysierte SVO-Kapitän Nicola Leberer, ,,aber wenn so eine Mannschaft Gas gibt, da kann man einfach nicht viel machen."

Die Ortenauer zeigten dann aber, dass sie durchaus gewillt waren, offensive Nadelstiche zu setzen. Bereits im Gegenzug wurde ein Schussversuch von Huber zur Ecke abgelenkt. In der 9. Minute spielte sich Benedikt Asam stark auf der linken Seite durch und der Ball landete bei Rais Awell, der das Ziel aus 20 Metern verfehlte. Weitere neun Minuten später kam Huber im Strafraum an das Spielgerät und hatte nur noch Nico Elvedi vor sich, kam aber nicht zum Abschluss.

Die besseren Chancen hatte aber erwartungsgemäß der Bundesligist. Sobald die Borussia schnell und zielstrebig kombinierte, waren die Blau-Weißen defensiv überfordert. Florian Neuhaus (7.), Jonas Hofmann (10.) und Plea (20.) verpassten noch, aber in der 22. Minute lenkte Thuram eine tolle Vorarbeit von Hofmann an Redl vorbei zum 0:2 ins Netz. Als der Franzose den SVO-Keeper dann auch noch zum 0:3 umkurvte, war sein lupenreiner Hattrick perfekt (36.) und Hofmann legte direkt das 0:4 nach (37.). Beide Treffer bereitete Stindle mustergültig vor. Als Oberachern bereits die Halbzeit herbeisehnte, erhöhten Rami Bensebaini (45.) und Hofmann (45.+3) gar noch auf 0:6. Ein Spielstand, der dem teils mutigen Auftritt des SVO nicht gerecht wurde.

Stindl verletzt

Nach dem Wechsel legten Stindl (47.), der später mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt wurde, und der US-Amerikaner Joe Scally (59.) zum 0:8 nach. Dann kam der große Moment von Nico Huber, der in der 83. Minute unter Standing Ovations und Nico-Huber-Sprechchören ausgewechselt wurde. Kurz zuvor hatte Neuhaus den letzten Treffer zum 1:9 erzielt.

,,Wir werden diesen Tag jetzt noch gemeinsam genießen und ausklingen lassen. Morgen haben die Jungs trainingsfrei. Aber ab Dienstag geht der volle Fokus auf den Oberliga-Auftakt gegen den Offenburger FV", richtete Himmel direkt wieder den Blick aufs Wesentliche - nicht ohne seinem Kollegen Farke alles Gute für die Saison zu wünschen. Und vielleicht ist der SVO am Ende ja gegen den späteren DFB-Pokalsieger ausgeschieden.

SV Oberachern - Borussia Mönchengladbach 1:9 (0:6)
Oberachern: Redl, Asam, Leberer, Zwick (72. Dietrich), Fritz, Ludwig, Gueddin, Güzelcoban (83. Knobelspies), Durmus (64. Barnick), Awell (64. Ambri), Huber (83. Stefotic)
Mönchengladbach: Nicolas, Bensebaini (76. Netz), Elvedi, Itakura, Scally (76. Lainer), Kramer, Neuhaus, Hofmann (76. Reitz), Stindl (60. Herrmann), Plea (82. Borges Sanches), Thuram
Schiedsrichter: Winter (Hagenbach) - Zuschauer: 12.000
Tore: 0:1 Thuram (3.), 0:2 Thuram (22.), 0:3 Thuram (36.), 0:4 Hofmann (37.), 0:5 Bensebaini (45.), 0:6 Hofmann (45.+3), 0:7 Stindl (47.), 0:8 Scally (59.), 1:8 Huber (61.), 1:9 Neuhaus (78.)

Stimmen zum Spiel

Lars Stindl (Kapitän Borussia Mönchengladbach): Wir sind froh, dass wir die schlechten Erinnerungen an das Freiburger Dreisamstadion endlich ablegen konnten. Das frühe Tor hat uns gut getan, weil wir schnell gemerkt haben, dass beim SV Oberachern richtig gute Kicker dabei sind. Wir sind souverän weitergekommen, was absolut nicht selbstverständlich ist.

Daniel Farke (Trainer Borussia Mönchengladbach): Ich bin sehr zufrieden, wir haben vor allem in der ersten Halbzeit eine wirklich gute Leistung gezeigt und eine große Wucht entwickelt. Das war auch nötig gegen einen Gegner, der kämpferisch alles investiert hat, was geht.

Ralf Lorenz (Vorsitzender SV Oberachern): Wir können ein absolut positives Fazit ziehen. Die Zusammenarbeit mit dem SC Freiburg hat prima geklappt und es war die richtige Entscheidung, im Dreisamstadion zu spielen. Wir hätten das in Kehl oder Offenburg nicht stemmen können. Also alles wunderbar, herrliches Wetter, ein echtes Fußballfest für den SV Oberachern. Mehr war nicht zu erwarten.

Mark Lerandy (sportlicher Leiter SV Oberachern): Die Niederlage fiel drei, vier Tore zu hoch aus, aber es liegen halt auch einfach vier Ligen zwischen den Mannschaften. Aber am Ende des Tages, wenn ich auf die Tribüne und den Jungs ins Gesicht schaue, dann war es das wert. Wir konnten einige Nadelstiche setzen und wurden mit einem tollen Tor belohnt. Diese Momente werden bleiben.

Mark Redl (Torwart SV Oberachern): Es war klar, dass da ordentlich was auf uns zukommt. Wir haben aber das gemacht was wir können, haben ordentlich von hinten raus kombiniert und uns einige gute Situationen erspielt. Dass da Fehler passieren, ist normal. Und die werden von so einer Truppe gnadenlos gestraft. Aber die Wahrscheinlichkeit dass wir verlieren war hoch, also warum sollen wir dann nicht mit dem Fußball untergehen, der uns auszeichnet.

Nicola Leberer (Kapitän SV Oberachern): Wir sind raus, das Ergebnis ist letztlich egal. Es war trotzdem ein geiler Tag und hat wahnsinnig Spaß gemacht. Die Gladbacher waren auch nach dem Spiel richtig cool und haben ihre Trikots verteilt. Das ist für uns natürlich ein tolles Andenken.


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