Bundesliga 
Riether: Eine Aufgabe wie Kehl in Dortmund
Sascha Riether Bildquelle dpa

Sascha Riether (36) aus Lahr-Kuhbach hat es als Sohn der Ortenau wie zuvor Bernd Schmider, Jürgen Hartmann und Martin Wagner als Profi auf die ganz große Bühne des Fußballs geschafft. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere im Mai ist er nun Koordinator der Lizenzspielerabteilung beim FC Schalke 04. Über »Königsblau«, die Bundesliga und seine persönlichen Erfahrungen spricht er im Interview mit bo.de.
 

Was macht ein Koordinator der Lizenzspielerabteilung auf Schalke?

Sascha Riether: Das ist eine neugeschaffene Aufgabe, mit der wir eine wichtige Lücke schließen wollten. Ich bin mit meiner Arbeit ganz nah an der Mannschaft, bin bei jedem Training und Spiel dabei. Ich halte dem Trainer den Rücken frei, organisiere vieles rund um die Mannschaft und kümmere mich um die Integration der neuen Spieler. Die Aufgabe ist extrem vielfältig, ich bin quasi das Bindeglied zwischen dem Trainer und dem Sport-Vorstand sowie wichtiger Ansprechpartner für die Spieler. Insgesamt ist es ein Aufgabengebiet ähnlich dem, das Sebastian Kehl bei Borussia Dortmund inne hat.

Haben Sie nach vier Jahren die königsblaue DNA?

Riether: Ich fühle mich schon sehr verbunden mit dem Verein. Bei meinem Abschied als Spieler im Mai haben 60 000 Leute immer wieder meinen Namen skandiert. Das hat mich sehr berührt und war ein sehr spezieller Moment für mich. Ich habe mit Schalke viel erlebt in den vergangenen vier Jahren. Es ist wirklich ein besonderer Verein.

Erklären Sie doch mal Ihren badischen Landsleuten in kurzen Worten die spezielle Schalker Mentalität.

Riether: Eine ganze Stadt lebt diesen Verein, hier ist alles blau und weiß. Manche beschreiben es als eine Art Religion. Auch auswärts ist der Support der Fans sagenhaft und man spürt die Wucht des Vereins.

Ganz Deutschland spricht vom Duell zwischen dem FC Bayern und seinem stark verstärkten Herausforderer Dortmund. Wer hat am Ende in der Bundesliga die Nase vorne?

Riether: Für jeden Fußball-Fan ist es schön, wenn die Bundesliga interessant ist. Das heißt, es braucht Konkurrenz für den FC Bayern.

Sehen Sie dahinter eine dritte Kraft oder gilt für den großen Rest der Liga das Motto »unter ferner liefen«?

Riether: Ich tippe schon, dass Bayern und Dortmund die Meisterschaft unter sich ausmachen werden.

Sie sind ein Kind der Bundesliga, haben die ganze Entwicklung hautnah miterlebt. Wie empfinden Sie den Transferwahnsinn und das Gezerre um Leroy Sané?

Riether: Das Geschäft hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Vor ein paar Jahren war ein Transfer von zehn Millionen Euro der Wahnsinn. Heute ist das gar nicht mehr erwähnenswert. Der Markt boomt und ich bin gespannt, wo das noch hinführt.

Das erste Schalker Heimspiel ist gleich gegen die Bayern. Kann es eine Sensation geben?

Riether: Erst mal haben wir in Gladbach einen schwierigen Gegner. Dann werden wir zu Hause vor 60 000 Fans gegen die Bayern alles geben. Was am Ende dabei herauskommt, wissen wir nach 90 Minuten, aber wir brennen schon auf dieses erste Heimspiel.

Wie läuft's mit dem neuen Trainer David Wagner? Was zeichnet ihn aus?

Riether: Er ist sehr kommunikativ und spricht mit den Spielern auf Augenhöhe, was sehr wichtig ist. Auf dem Platz arbeitet er akribisch. Er zieht seine Philosophie durch und bringt sie der Mannschaft nahe. 

Erst Vizemeister, dann letzte Saison noch im Abstiegskampf: Warum hat es mit Domenico Tedesco nicht funktioniert?

Riether: Leider haben wir zu Beginn der Saison einen schlechten Start erwischt und die ersten fünf Spiele verloren. Dann gab es viele Langzeitverletzte. Beides zusammen war unter der Doppelbelastung mit der Champions League schwer aufzufangen. Dann sind wir in einen Negativlauf hineingeraten, der schwer aufzuhalten war. Jeder weiß, dass Domenico Tedesco ein super Trainer ist. Ich habe das jeden Tag erlebt. Aber leider muss man sich im Fußball manchmal trennen. Ich drücke ihm die Daumen, dass er schnell wieder etwas Passendes findet.

Was ist in dieser Saison für Schalke drin?

Riether: Wir wollen schauen, wie wir gut starten. Tabellarisch haben wir uns kein konkretes Ziel gesetzt, aber unser Ziel ist es, unseren Fans einen besseren Fußball zu bieten und uns stetig zu steigern. Wir können nicht erwarten, dass wir von einem Tag auf den anderen wieder oben mitspielen.

Clemens Tönnies muss wegen seiner von vielen als rassistisch empfundenen Äußerungen sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender drei Monate ruhen lassen. Wie erleben Sie diese Situation innerhalb des Vereins?

Riether: Wir haben uns in den letzten zwei Wochen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und von Vereinsseite mehrfach dazu geäußert. Aber zum Bundesliga-Start ist es unsere Aufgabe, die Mannschaft auf Fußball zu fokussieren.

Wie geht's mit Sascha Riether weiter? Was sind Ihre Perspektiven und Ziele?

Riether: Ich freue mich auf die neue Aufgabe und finde den Perspektivwechsel spannend. Auch wenn ich mich durch die Sommervorbereitung bereits gut eingearbeitet habe, mache ich noch viele neue Erfahrungern. Die Zusammenarbeit mit Menschen wie Jochen Schneider oder Michael Reschke ist dabei sehr lehr- und hilfreich und bringt mich auch als Mensch weiter.


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