Oberliga Baden-Württemberg 
60 Jahre Hans Weber beim SV Linx - eine Erfolgsgeschichte
Hans Weber ist seit 60 Jahren eine Institution beim SV Linx. Bildquelle Sven Bilz

Am Wochenende feiert der SV Linx seinen 70. Geburtstag. Bereits am Donnerstag kann Hans Weber auf 60 Jahre Vereinsführung beim SVL zurückblicken. Eine bewegte Zeit, wie uns der Weber-Haus-Gründer im Interview berichtet.

Davon 33 Jahre als 1. Vorsitzender und 27 Jahre als Präsident. Als der 22-Jährige »Nicht-Fußballer« Hans Weber am Samstag, den 4. Juli 1959 in der Vereinsgaststätte »Krone« als Nachfolger von Drogeriebesitzer Oskar Pieper zum 1. Vorsitzenden des SV Linx gewählt wurde, war dies eine kleine Revolution im Verein und zugleich ein Glücksfall. Der SV Linx war gerade zehn Jahre alt und spielte in der C-Klasse Hanauerland. Bereits nach einem Jahr Vorstand feierte Weber die erste Meisterschaft. Was danach folgte, ist bis heute eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte.

Wenn Sie an den 4. Juli 1959 zurückdenken, welche Erinnerungen werden wach?

Hans Weber: Ich hatte kurz zuvor die Meisterprüfung im Zimmererhandwerk abgelegt und war voller Hoffnung und Tatendrang, aus dem SV Linx mehr zu machen. Damals wurde die A-Jugend des SVL Meister. Damit war für mich die Grundlage für meine Zukunfts-Vision gegeben.

Mit welchem Vorstands­team haben sie das Abenteuer SV Linx gestartet? 

Weber: Mit der Wahl eines neuen, komplett verjüngten Vorstandsteams konnte ich meine Idee, den SV Linx nach vorne zu bringen, auf Anhieb durchsetzen. Aus dem alten Vorstandsteam wurde Ernst Manßhardt als Kassenwart und Wilhelm Pfistner als Schriftführer in den neuen Vorstand gewählt. Pfist­ner war ein großer Segen für den Verein und für mich als Vorstands-Neuling, denn der Wilhelm war ein Mann mit außergewöhnlich gutem Fußball-Sachverstand, von dem ich sehr viel gelernt habe. Auch menschlich haben wir uns auf einer Wellenlänge bewegt.

In der Linxer Kaserne war damals französisches Militär stationiert. Hat der SV Linx davon profitiert?

Weber: Das kann man wohl sagen. Von Anfang an waren die in der ehemaligen Kaserne stationierten französischen Soldaten gern gesehene Spieler beim SV Linx.

Wann- und mit welchem Trainer begann der Erfolgsweg des SV Linx?

Weber: Emil Baumert aus Kehl trainierte den SV Linx von 1953 bis 1962. Ihm gelang auch die erste Meisterschaft 1960 in der damaligen Kreisliga C. Übrigens habe ich im November 1960 beim Spiel gegen den SV Ulm, bei Oberkirch, meine Frau Christel kennengelernt, die ihrer Tante, der Adlerwirtin, beim Bedienen half.

Wieviel Trainer hatte der SV Linx seit Ihrem Amtsantritt?

Weber: Nach Baumert folgten bis heute 20 Trainer der 1. Mannschaft und insgesamt 16 Trainer für die 2. und 3. Mannschaft. Den größten Erfolg erlebte der SV Linx unter Trainer Günter Maier aus Achern, der den Verein innerhalb von sechs Jahren von der Kreisliga B (heute A) in die Verbandsliga führte. Der erste Aufstieg in die Oberliga erfolgte 1987 unter Lothar Strehlau durch Relegation, wo man nach einem Jahr wieder in die Verbandsliga abstieg. 1993 schaffte Patric Ehle als Trainer wieder den Aufstieg in die Oberliga und der SV Linx spielte vier Jahre in dieser Liga. Mit Ehle wurde der SV Linx erstmals südbadischer Pokalsieger und beim DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 verlor man nur knapp mit 1:2. 2018 wurde der SVL mit Trainer Sascha Reiß Meister der Verbandsliga und erneut südbadischer Pokalsieger. Dem 1. FC Nürnberg unterlag der SV Linx im DFB-Pokal knapp 1:2. 

Wieviel Meisterschaften wurden gefeiert? 

Weber: Insgesamt 17 mit der 1., 2. und 3. Mannschaft.

Ein Jahr nach dem Amtsantritt als 1. Vorsitzender des SV Linx gründeten Sie ihre Firma Weber Haus, die parallel zum SV Linx eine Erfolgsgeschichte wurde. Weber Haus zählt heute zu den führenden Unternehmen im Holz-Fertigbau - der SV Linx spielt heute in der höchsten Amateurklasse. Wie stolz macht Sie das?

Weber: Natürlich schaue ich mit einem gewissen Stolz auf die Entwicklung des SV Linx und meiner Firma WeberHaus zurück, die ich 1960 mit einem Mitarbeiter gegründet habe. Beide Erfolge waren jedoch nur möglich, weil ich beim SV Linx und bei WeberHaus Leute um mich hatte, die ich für die jeweilige Sache begeistern konnte, die für mich auch durchs Feuer gingen und auch heute noch gehen.

Seit 1987 spielt der SV Linx ununterbrochen inSüdbadens bzw. Baden-Württembergs höchster Amateurklasse, davon 27 Spielrunden Verbandsliga und zehn Runden Oberliga. Der Klassenerhalt für die elfte Oberligasaison wurde gesichert. Kann der SV Linx dieses Niveau halten?

Weber: Fußball ist ein sehr schnelllebiger Sport. Unser Ziel ist es, das jetzige Niveau zu halten. Ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu muss alles passen. Die Vorstandschaft, der Trainer und natürlich die Spieler.

Dem SV Linx wird des Öfteren nachgesagt, die Jugendarbeit zu vernachlässigen - stimmt das?

Weber: Als kleiner Ort mit gerade mal 1150 Einwohnern hat es unser Verein sehr schwer alle Jugendmannschaften zu besetzen. Seit Jahren haben wir deshalb eine Kooperation mit den Nachbarvereinen von Rheinau und Lichtenau, um die Jugendarbeit tatkräftig zu unterstützen. Von Vernachlässigung der Jugendarbeit kann daher nicht die Rede sein. Das würde auch unser Jugendkoordinator Fritz Wendling nicht gerne hören.

Als Hauptsponsor haben Sie den SV Linx finanziell stets mit Augenmaß geführt und dadurch Abstiege aus der Oberliga immer wieder in Kauf genommen. Wie sehen Sie die Entwicklung im Fußball generell und speziell beim SV Linx?

Weber: Dass Geld eine Rolle im Fußball spielt, fiel mir 1972 zum ersten Mal auf. Unser damaliger Spieler, Willi Enderle, erhielt ein Geldangebot von einem Bezirksligaverein. Das war mir bis dahin nicht bekannt. Natürlich stellte ich mir dann die Frage, wie kommt man an Geld, um solche Forderungen, die ich auch auf den SV Linx zukommen sah, zu bewältigen? Seither haben wir in Linx eine sehr intensive Stadionwerbung und die Spieler erhalten eine Aufwandsentschädigung und Punkteprämien.

Weber Haus ist Premiumsponsor beim SC Freiburg, der SC spielt beim Jubiläumsfest am Freitag und Samstag mit den Bundesliga-Profiteams der Frauen und Männer in Linx. Schon zu Zeiten von SC-Präsident Achim Stocker waren die Beziehungen beider Vereine bestens. Wie steht es heute damit?

Weber: Mit dem SC Freiburg hatten wir von Seiten WeberHaus und von Seiten des SV Linx stets ein gutes Verhältnis, welches sich darin widerspiegelt, dass WeberHaus vor zehn Jahren das Übernachtungsheim der Jugendspieler des SC Freiburg bauen durfte. Auch mit der heutigen Vereinsleitung unter ihrem Präsidenten Franz Keller besteht ein sehr gutes Miteinander.

Der sportliche Erfolg des SVL wird maßgebend vom Namen Hans Weber geprägt, mit der Namensgebung Hans-Weber-Stadion und Hans-Weber-Halle wurde Ihnen bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Die neue Infrastruktur und die neu renovierten Rasenflächen im gesamten Sportkomplex »Hölzel« gehen in hohem Maße auch auf Ihr Engagement zurück. Ist der SV Linx damit für die Zukunft gerüstet?

Weber: Mit dem Stadion, der Festhalle, der Festplatzüberdachung, mit den drei Rasenplätzen und mit 500 Parkplätzen steht der SV Linx und auch alle Linxer Vereine sehr gut da. Denn so eine Anlage, die vom Gesangverein bis zum Musikverein für Feste genutzt werden kann, ist wohl einmalig. Trotzdem muss das Bestehende gepflegt und Neues immer wieder erdacht werden.

Als Visionär hatten Sie bisher immer die Entwicklung des SV Linx im Blick. Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Weber: Mein Wunsch ist es, dass der Verein die vorhandenen Anlagen, wie die Rasenplätze, die Umkleidekabinen, das Clubhaus und das ganze Drumherum immer in einem guten Zustand hält. An dieser Stelle möchte ich den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern danken, die den Verein seit Bestehen unterstützen, ob es bei der Stadionreinigung, der Bewirtung der Gäste oder bei sonstigen Einsätzen der Fall ist. Mit Wehmut denke ich dabei auch an die vielen Freunde, die sehr gute Arbeit im Vorstand des SV Linx geleistet haben und nicht mehr unter uns weilen. Stellvertretend nenne möchte ich hier Wilhelm Pfistner, Friedhelm Irrgang und die Brüder Manßhardt.

Hans Weber

Geboren: 28. September 1936 in Pangalan Brandan/Indonesien

Lebenslauf: 1941 bis 1947 Evakuierung in Japan, seit 1947 wohnhaft in Linx, wo beide Elternteile herstammten;  Wahl zum 1. Vorsitzenden des SV Linx am 4. Juli 1959; Wahl zum Präsidenten des SV Linx 1992; seit 1949 aktives Mitglied des Musikvereins Linx und der Gründerkapelle (Trompete)

Auszeichnungen: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1997); Wirtschaftsmedaille Baden-Württemberg; SBFV-Verbandsehrennadel in Silber und Gold; Ehrenbürger der Stadt Rheinau (seit 2011)


Top-Torjäger der Liga

1. Marcel Sökler (SGV Freiberg Fußball) 32
2. Kevin Dicklhuber (1. Göppinger SV) 28
3. Marc Rubio (SV Linx) 20
4. Adrian Vollmer (SV Linx) 18
Mijo Tunjic (SV Stuttgarter Kickers) 18
6. Santiago Fischer (Bahlinger SC) 17
Benedikt Haibt (FC 08 Villingen) 17
8. Daniel Schachtschneider (FV Ravensburg) 15
Mario Marinic (TSG Backnang) 15
10. Dominik Salz (1.CfR Pforzheim) 12
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