Missglückte Berlin-Reise für den SC Freiburg


Die vierte Dienstreise in dieser Bundesliga-Saison war die erste enttäuschende für den SC Freiburg. Neuling 1.FC Union Berlin feierte ein völlig verdientes 2:0 (1:0) gegen die Schwarzwälder, deren Fans an der Alten Försterei zudem kein gutes Bild abgaben.



Dieser Sonnabend in Berlin sei, wie Freiburgs Cheftrainer Christian Streich frustriert sagte, ,,ein gebrauchter Tag". Und der begann im Stadtteil Köpenick im kultigsten Tollhaus der Liga maximal schlecht. Kurz vor dem Anpfiff umhüllten dicke Rauchschwaden durch Bengalos den Gäste-Block und 2400 Fans aus dem Südwesten. ,,Da wollten welche wohl cool sein in der Hauptstadt", schüttelte Streich angenervt den Kopf über jene SC-Fans, die pyrotechnisch taten, was eigentlich niemand sehen will - erst recht nicht beim Sportclub. Freie Sicht hatte Streich dafür in die andere Richtung, zum Tor an der ,,Waldseite" mit den lautesten unter den immens lauten 19612 Union-Anhängern, wo keine 60 Sekunden nach dem Anpfiff der Ball ins Netz rauschte. Marius Bülter hatte Amir Abrashi locker ausgetanzt und traf aus knapp 25 Metern voll ins Schwarze. ,,Da haben wir nicht wirklich verteidigt", haderte Streich. Während sein Kollege Urs Fischer dieses extrem frühe 1:0 als ,,Signalwirkung für noch mehr Entschlossenheit und einen tollen Auftritt meiner Mannschaft" natürlich begrüßte.

Alexander Schwolow war machtlos und signalisierte seinerseits nach 20 Minuten, dass für ihn der Arbeitstag vorzeitig beendet sei. Mit Adukktorenproblemen räumte der Stammkeeper das Feld, Niclas Thiede kam zu seinem Bundesliga-Debüt. Die Nummer 3 unter den SC-Torhütern hatte bis zur 84. Minute auch einige gute Momente, dafür sah er dann deutlich älter als seine 20 Lebensjahre aus, als ihn Marcus Ingvartsen mit einem 20-Meter-Schuss überraschte, der durch die Mitte einschlug - Thiedes 1,87 Meter Körpergröße standen zu weit vor dem Kasten.

Probleme in der Zentrale

Zwischen diesen beiden Treffern bemühte sich der Sportclub, der die ersten drei Auswärtsspiele alle gewonnen hatte, mit mehr Ballbesitz um die gewohnte Spielstruktur. Doch gerade im Zentrum des Geschehens gewannen die Gastgeber mit mehr Leidenschaft die meisten Zweikämpfe, zudem bereitete der Ex-Stuttgarter Christian Gentner dem Sportclub wie bei früheren Duellen mit dem VfB große Probleme. Der Ex-Freiburger Rafal Gikiewicz im Tor der Eisernen musste kaum eingreifen in dieser allerdings hochintensiven Partie. ,,Die waren immer bei jedem Offensivspieler von uns dicht dran", so Neu-Nationalspieler Robin Koch, ,,und wenn es mal Freiraum gab, kamen Fouls, die sie clever gemacht haben".

Für Keven Schlotterbeck, den zentralen Abwehrspieler in der Dreierkette der Köpenicker, sei es nur zwischen Minute 60 und 70 unangenehm geworden. ,,Wenn mich Nils nicht anschießt, kann es bei uns aber scheppern", sagte der vom SC Freiburg an Union ausgeliehene Innenverteidiger über eine brenzlige Situation mit Torjäger Petersen, zur zweiten Halbzeit für Mittelfeldspieler Abrashi eingewechselt. Schlotterbeck, der beim zuvor einzigen Liga-Sieg gegen Dortmund nicht dabei war, freute sich unübersehbar über ,,meinen ersten Sieg hier". Und der 22-Jährige wolle seinen zweieinhalb Jahre jüngeren Bruder Nico auch trösten, dass er bei den Breisgauern das gesamte Spiel von der Ersatzbank aus verfolgen musste. Streich machte keinen Hehl daraus, dass Union ,,hochverdient" gewonnen habe, ,,wir waren nicht aggressiv genug und kamen mit den vielen langen Bällen, die wir so erwartet hatten, nicht zurecht."

Durch dieses 0:2 verpasste der SC Freiburg am achten Spieltag den Sprung an die Tabellenspitze. Streichs Rechen- und Sichtweise sieht indes anders aus. Statt 13 Punkten Vorsprung auf einen Konkurrenten im Abstiegskampf sind es nur noch deren sieben. Was dieses Ergebnis für das Wiedersehen mit den Unionern am 29. Oktober in Freiburg im DFB-Pokal bedeutet? ,,Wir haben gerade andere Sorgen als dieses Pokalspiel", murrte Streich, zum Beispiel ,,die nächste Herausforderung Leipzig". Dass am späten Samstagabend auch noch ein Sonderzug mit 700 SC-Fans Feuer fing und damit einen S-Bahn-Hauptstrang der Spree-Metropole lahm legte, rundete diese missglückte Freiburger Berlin-Reise geradezu bizarr ab.


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