Das unvergessliche Erlebnis des Harry Föll
Für den Windschläger Harry Föll (rechts vorne) war die erste Länderspiel-Reise mit der Nationalmannschaft der Philippinen auch eine Zusammenkunft mit Teilen seiner Familie. Bildquelle Privatfoto

Zum Länderspiel-Debüt hat es für Harry Föll noch nicht gereicht, trotzdem war seine erste Reise mit der Fußball-Nationalmannschaft der Philippinen ein unvergessliches Erlebnis. Vor allem, weil der Windschläger das Heimatland seiner Mutter und große Teile seiner Familie erstmals kennenlernte.

»Nur als kleines Kind war ich bislang auf den Philippinen, und da kann ich mich an nichts mehr erinnern ? außer, dass es mir auf dem Flug gar nicht gut ging«, lacht Harry Föll. Am 28. August war er wieder in die Hauptstadt Manila geflogen, dieses Mal aus offiziellem Anlass, weil er erstmals für die Nationalmannschaft nominiert worden war. Zehn Tage Trainingslager, ein Testspiel und das Asienmeisterschafts-Qualifikationsspiel gegen den Jemen standen auf dem Plan. »Schon als ich angekommen bin, habe ich gemerkt, dass das Atmen wegen der Hitze und Luftfeuchtigkeit schwerer fällt«, erklärt Föll: »Trainiert wurde deshalb immer nur spät abends mit einer geringeren Intensität, als ich es aus der Heimat kenne.«

Zahlreiche neue Eindrücke

Überhaupt waren die Eindrücke für Föll in erster Linie anders. »Die Hupe gehört zum Verkehr dazu wie das Gaspedal«, sagte der 19-Jährige, nachdem er am ersten Abend für die drei Kilometer ins Hotel im Stau drei Stunden gebraucht hatte, »und es gibt einen krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich. Aber ich habe direkt gemerkt, wie schön das Land ist, mit den Inseln und dem Meer. Da ist alles, was man braucht.« 

Während seine Mutter, die mitfliegen durfte, in der Hauptstadt Manila blieb, ging es für Föll weiter nach Bacolod im Zentrum des Landes ins Trainingslager. Die Spieler der Azkals, der Straßenhunde, wie die Nationalmannschaft heißt, kommen aus vielen Ländern, auch Deutsch-Filipinos wie Föll sind dabei, der berühmteste, der Ex-Fürther Stephan Schröck, war dieses Mal allerdings nicht nominiert. »Ich wurde super aufgenommen und musste zum Einstand Karaoke singen, weil die das dort ständig machen«, sagte Föll, der sich für »Hey Jude« von den Beatles entschied, »weil ich das aus der Schule kannte und es langsam ist.«

Testspiel abgesagt

Einziges Problem? An einem Tag alle Namen zu lernen. »Im Training stand ich oft frei, habe aber keinen Ball bekommen, weil ich mich nicht melden konnte. Aber das hat sich schnell gelegt.«
Dass das Testspiel gegen Indonesien »aus mir nicht bekannten Gründen« abgesagt wurde, war für Föll dann Pech: »Da wollte der Trainer mich spielen lassen, er hat mich ja noch nie gesehen.« Das war auch der Grund, warum er ihn im Quali-Spiel gegen den Jemen nicht auflaufen ließ. »Trotzdem hatte ich gute Gespräche mit Nationaltrainer Thomas Dooley und hoffe jetzt, am 10. Oktober beim Rückspiel gegen den Jemen wieder dabei zu sein.« Das würde in Katar stattfinden, weil in Jemen wegen der angespannten Sicherheitslage nicht gespielt werden kann.

Die Philippinen spielten ohne Föll übrigens 2:2 und sind weiter Erster mit zwei Punkten Vorsprung auf den Jemen und vier Punkte auf Tadschikistan. Zwei Teams qualifizieren sich für das Turnier 2019, Nepal auf Rang vier scheint mit einem Zähler schon abgeschlagen. Die Eindrücke vor und während des Spiels waren dennoch überwältigend: »Als die Hymne lief, war das etwas Besonderes. Und vor dem Spiel haben uns viele Fans mit Trommeln begleitet, sind mit bis zu 30 Leuten auf einem Fahrzeug vor unserem Bus hergefahren.«

Wiedersehen mit der Familie

Am letzten Tag flog Föll dann mit seiner Mutter, die mit Verwandten nach Bacolod zum Spiel gekommen war, zurück nach Manila. Dort traf er auch seinen Großvater und andere Familienmitglieder, die ihn 15 Jahre nicht oder noch nie gesehen hatten. »Das war ein schöner Abend und hat Spaß gemacht. Alle waren froh, mich zu sehen, auch wenn sie ein bisschen enttäuscht waren, dass ich nicht spielen durfte. Aber für meine Cousins war es auch cool, weil sie in Bacolod beim Spiel dabei waren und Fotos mit meinen Mitspielern machen konnten, die teilweise echt berühmt sind.«

Nun wartet mit dem FC Hansa Rostock ab Samstag eine englische Woche auf Föll, dort will er am liebsten wieder zum Kader zählen ? und dann hoffentlich bald wieder Post von Nationaltrainer Dooley bekommen, um endlich sein Debüt geben zu können.


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