Bezirksvorsitzender Müller gibt sein Amt nach elf Jahren ab
Bleibt seiner Leidenschaft Fußball auch weiterhin verbunden: der scheidende Bezirksvorsitzende Manfred Müller aus Ichenheim. Bildquelle Iris Rothe
Der Bezirksvorsitzende Manfred Müller aus Ichenheim gibt am Samstag sein Amt nach elf spannenden Jahren ab.

 

Rund 62 Jahre ist es her, dass Manfred Müller erstmals in Kontakt mit dem runden Leder kam. Als damals elfjähriger Steppke stiefelte der gebürtige Ichenheimer zum Fußballplatz der Sportfreunde ? und war von da an mit seiner neuen Leidenschaft infiziert. »Ich war immer ein pfeilschneller Rechtsaußen, bin 12,0 Sekunden auf 100 Meter gelaufen ? handgestoppt«, erinnert sich der pensionierte Maurermeister gerne an seine aktive Zeit bei seinem Heimatverein, bei dem er später auch noch Jugendtrainer, Jugendleiter und Vorstand wurde. Heute, im stolzen Alter von 73 Jahren, verlässt Manfred Müller die Fußballbühne ? zumindest in der offiziellen Funktion des Bezirksvorsitzenden. Beim Bezirkstag heute in Dundenheim wird der »Manager«, wie er seinen Posten eher beschreiben würde, nach elf spannenden Jahren verabschiedet und gibt den Staffelstab an seinen Nachfolger Heinz Schwab weiter.

»Sehr positive Zeit«
Elf Jahre, in denen Manfred Müller vieles für den Amateurfußball im Bezirk Offenburg auf den Weg gebracht hat, aber auch so einiges einstecken musste. »Mit 73 Jahren kann ich mit ruhigem Gewissen abtreten. Für meine Lebenserfahrung war das eine sehr positive Zeit, in der ich viel Anerkennung bekommen habe. Bei gewissen Entscheidungen hagelte es auch mal Kritik, aber das bleibt in solch einer Funktion nie aus«, blickt Manfred Müller mit einem guten Gefühl auf seine Amtszeit zurück: »Ich habe fast alles nach Satzung, Ordnung und Regelwerk durchgezogen.« 
Im September 2006 ist der damalige Staffelleiter der Landes- und Bezirksliga für Vorgänger Alban Oehler eingesprungen, der aus gesundheitlichen Gründen aufhörte. »Nach kurzer Rücksprache hat mir meine Frau grünes Licht gegeben. Es musste ja weitergehen, auch wenn das in der Anfangsphase schon Stress war«, erklärt Müller, dass er im Durchschnitt täglich rund zwei Stunden Zeit für die Bezirksarbeit aufwenden musste. 

Arbeit, die nicht immer nur Freude bereitete ? das gibt Müller offen und ehrlich zu: »Beim Verbandstag 2007 wurde eine neue Spielordnung mit deutlich härteren Sanktionen eingeführt, die bis zu einem Urteil des Oberlandesgerichts im Jahr 2012 bestand hatte. Manche Entscheidung, die ich treffen musste, hat mir selbst weh getan. Wenn Mannschaften rückwirkend wegen eines fehlenden Passfotos oder einer fehlenden Unterschrift reihenweise Punkte abgezogen bekommen haben, stellte sich mir die Frage der Verhältnismäßigkeit. In dieser Phase hat mein Amt für einige schlaflose Nächte gesorgt und mich manchmal tagelang beschäftigt.« 
Auch wenn die Diskussionen mit den Verantwortlichen der betroffenen Vereine stets offen, fair und mit dem nötigen Respekt verliefen, hat Müller von Vereinsmitgliedern, Fans oder Spielern hin und wieder Beleidigungen einstecken müssen: »Das ging teilweise unter die Gürtellinie. Da ist man ganz schnell der Buhmann und fragt sich, warum man sich das antut. Obwohl man eigentlich nur seine Arbeit korrekt gemacht hat.«

Viel mehr bleiben Manfred Müller jedoch die positiven Highlights in seiner elfjährigen Amtszeit im Gedächtnis. »Das DFB-Pokalspiel des OFV vor 10?000 Zuschauern gegen St. Pauli war ein tolles Erlebnis. Hinzu kommen beispielsweise die SBFV-Pokalfinals 2016 zwischen Oberachern und Villingen in Offenburg und 2012 zwischen dem OFV und Linx im Kehler Rheinstadion sowie diverse U-Länderspiele«, gerät Manfred Müller auch Jahre danach noch ins Schwärmen. »Außerdem freut es mich riesig, dass wir das Bezirkspokalfinale aufwerten konnten, mittlerweile Jahr für Jahr mehr als 2000 Zuschauer am Ostermontag dabei sind und wir den Sieger mit einer Fahrt zum DFB-Pokalfinale belohnen können.«

Stolz machen ihn auch die Begegnungen mit zahlreichen Größen des deutschen Fußballgeschehens. So plauderte Müller mit seinem einstigen Lieblingsspieler Uwe Seeler (»Er hat mich als Spieler immer beeindruckt, auch weil er so bodenständig war«), als die 1966-Nationalmsnnschaft in Freiburg zu Besuch war, traf aber auch die DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel.

Die Baustelle von Manfred Müller war bis heute der Bezirk Offenburg, die Entwicklung des Amateurfußballs im Allgemeinen sieht er aber eher zwiespältig. »Einerseits ist es toll, wie die Amateure beispielsweise durch die Live-Übertragung der Landespokalfinalspiele oder durch Formate wie die Sendung von Hans Sarpei, der schon beim TuS Kinzigtal zu Gast war, mehr Aufmerksamkeit bekommen. Andererseits bereitet es mir auch mit Blick in die Zukunft Bauchschmerzen, wenn Spieler schon in der Kreisliga B Vertragsspieler sind und viel Geld fließt. Das ist in dieser Klasse fehl am Platz. Wir waren damals noch echte Wurstbrot-Amateure«, so Müller, dem die Kommerzialisierung beispielsweise durch die Eingliederung der chinesischen U20 in die Regionalliga, um sich außer Konkurrenz auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten zu können, ebenso verurteilt wie die Aufsplittung der Bundesliga auf mehrere Tage und Anstoßzeiten: »Ich lege mir kein Pay-TV zu. Wenn die unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen wollen, sollen sie das tun.« So sei es auch kein Wunder, dass die Amateurvereine zunehmend über einen Zuschauerschwund auf den Sportplätzen klagen. 

Garten und Familie
Seinem Sport hält Manfred Müller weiterhin die Treue. »Der Fußball ist und bleibt Teil meines Lebens. Ich werde nach wie vor die Sportplätze in der Ortenau besuchen ? aber vielleicht nicht mehr ganz so oft wie bisher«, freut sich der leidenschaftliche Hobbygärtner auf mehr Zeit im Grünen (»Da kann man so schön abschalten«) und im Kreise seiner Familie ? mit Ehefrau Rita, seinen beiden Kindern und den fünf Enkeln. 

Manfred Müller

Geburtstag: 3.6.1944

Geburtsort: Neuried-Ichenheim

Familienstand: verheiratet mit Rita, ein Sohn, eine Tochter und 5 Enkelkinder

Wohnort: Neuried-Ichenheim

Beruf: pensionierter Maurermeister

Vereine: SF Ichenheim (seit 1955) in den Funktionen Spieler, Jugendtrainer, Jugendleiter und Vorstand.

 


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