Anton Rudinsky war ein schlitzohriger Schleifer
Anton Rudinsky Bildquelle Ulrich Marx

Anton Rudinsky, ehemaliger Trainer des Offenburger FV, Freiburger FC und SC Freiburg, ist in Villingen im Alter von 80 Jahren gestorben.

Er war drei Mal OFV-Trainer, wenn auch nie lange. Um so nachhaltiger sind aber die Geschichten über die Methoden des schlitzohrigen Schleifers aus dem ehemaligen Jugoslawien, dessen Leben so ganz anders endete, als ihn die Fußball-Fans der Ortenau in Erinnerung hatten: Anton Rudinsky starb in der Nacht zum Sonntag in einer Seniorenresidenz in Villingen nach schwerer Demenz-Erkrankung - genau eine Woche nach seinem 80. Geburtstag.

Villingen war Anfang und Endstation für Rudinskys Leben in Deutschland, das in erster Linie auf einer Fähigkeit fußte: Er war ein exzellenter Fußballer. Roter Stern Belgrad, sieben Länderspiele für Jugoslawien - Rudinsky wusste, wie die Kugel rollt. Und er konnte es auch vormachen.
Als er 1972 aus der Schweiz nach Villingen kam und dort Trainer wurde, versuchte sich beim FC08 gerade der Wolfacher Jungspund Alfred Metzler als Mittelstürmer. Rudinsky modelte ihn zum Verteidiger um - und Metzler, 1984 dann Amateurmeister-Trainer des OFV, sagt genau zweierlei über seinen ehemaligen Lehrmeister: »Er hat ganz stark angefangen - aber später auch stark nachgelassen.«

Neue Methoden
Anfangs brillierte Rudinsky mit innovativen Trainingsmethoden und hatte zudem schnell den Ruf, das letzte Quäntchen aus einer Mannschaft rauskitzeln zu können.
Das brachte ihm im Winter 1978 auch seinen ersten Job an der Offenburger Badstraße ein. Der OFV kriselte in der 1. Amateurliga und Vereinsboss Egon M. Schneider hatte Angst, dass im folgenden Sommer in der neuen Oberliga Baden-Württemberg die Post ohne den OFV abgehen würde. Kein Geringerer als Lutz Hangartner, heute Präsident des Bundes Deutscher Fußballlehrer, musste deshalb für Rudinsky weichen.

Der schmuggelte den OFV dann über Platz sechs durch die Hintertür ins neue Amateur-Oberhaus, führte aber auch ein zweifelhaftes Regiment. So fühlten sich seine Spieler nicht nur wegen der Liegestützen, die sie auf Geheiß ihres Trainers mit langgezogenen »iiiaaah«-Rufen ausführen mussten, wie Esel.
Was Metzler wenig später als Spieler des Zweitligisten Freiburger FC erlebte, praktizierte Rudinsky zuvor schon beim OFV: Er schwänzte gelegentlich das Training und versorgte die Spieler mit Zetteln, auf denen stand, was sie in seiner Abwesenheit zu tun hatten: Sprints, Steigerungsläufe und so weiter.

 

Provokant
Das blieb nicht ohne Echo. Beim Auswärtsspiel in Friedrichshafen brach OFV-Spieler Rolf Himmelsbach einen Konter in Höhe der Trainerbank ab, kramte aus der Gesäßtasche seiner Hose einen Zettel hervor und las ihn provokant direkt vor Rudinsky. Der mischte übrigens auch gerne bei Transfers mit und verstand es dabei sehr gut, selbst nicht zu kurz zu kommen.

Dennoch tauchte er noch zwei weitere Male an der Badstraße auf: 1986 beerbte er Heinz Sartor, lotste den großen Techniker Zdravko Cakalic zum OFV, nahm dort Supertalent Martin Wagner unter seine Fittiche, überwarf sich aber komplett mit Uwe Hertweck, einem der besten Kicker, die Offenburg in diesen Jahren hatte.
Im Juli 1990 bekam Rudinsky das nach dem Rückzug der Patriarchen Louis Fischer und Norbert Kramer sinkende OFV-Schiff nicht mehr flott. »Das Vereinsleben ist klinisch tot«, stellte er fest und war nach einem halben Jahr weg.

Rudinsky coachte viele Clubs, 1984 auch den SC Freiburg mit Joachim Löw als Stürmer. Seine letzte Station war mit 73 Jahren der Bezirksligist Fatihspor Spaichingen. So lange es seine Gesundheit zuließ, besuchte Rudinsky regelmäßig die Spiele des FC Villingen im Friedensgrund. In den letzten Jahren allerdings ging das nicht mehr.


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