Frauen-Bundesliga 
Richard Dura: Wir hatten unterschiedliche Auffassungen
Richard Dura macht das Training mit den Sander Frauen Spaß, aber am Saisonende ist Schluss. Bildquelle Iris Rothe
Richard Dura ist kein Mann der lauten Töne. "Wenn du große Sprüche machst, kommen sie als Bumerang zurück", sagt der Trainer des Frauenfußball-Bundesligisten SC Sand und ergänzt:

"Ich gebe schon Töne von mir - aber auf dem Platz und nur innerhalb der Mannschaft." Dass diese Töne gehört werden, ist offensichtlich, denn der SC Sand hat am Sonntag zum zweiten Mal in Folge das DFB-Pokal-Finale der Frauen erreicht - am 27. Mai in Köln gegen Pokalsieger VfL Wolfsburg.

"Das ist für einen Dorfverein ein Riesenerfolg - natürlich auch für mich", betont der 62-Jährige aus Rust im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Erst Anfang März hatte Richard Dura den Ortenauer Frauen-Bundesligisten übernommen, weil sein Vorgänger Colin Bell dem Angebot des Fußball-Verbandes von Irland als Frauen-Nationalcoach nicht widerstehen konnte. Nach dem Pokalfinale endet allerdings sein Engagement beim SC Sand schon wieder. "Wir haben zu unterschiedliche Auffassungen über die sportliche Zukunft des SC Sand", nennt der Fußballlehrer als Grund, warum sein bis Sommer datierter Vertrag nicht verlängert wurde. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Sein Ziel ist es, "das Optimale aus den restlichen Saisonspielen herauszuholen".

Morgen (14 Uhr) gegen die SGS Essen steht nun wieder Bundesliga-Alltag auf dem Programm. Auch da gilt es, den richtigen Ton zu treffen. "Ein Trainer muss flexibel sein. Er muss sich an den Ist-Zustand einer Mannschaft anpassen, um seine eigene Linie durchzukriegen", lautet die Maxime von Dura, der seine eigene fußballerische Karriere mit 29 Jahren als Sportinvalide beendete. Der frühere polnische Jugendnationalspieler hatte 1981 einen Vorvertrag bei Borussia Dortmund unter Trainer Reinhard Saftig, konnte aber wegen einer im Training zugezogenen Wirbelsäulenverletzung bei dem Bundesligisten nie spielen. Später arbeitete er einige Jahre im Trainerstab des Proficlubs und machte sich auch im Scouting einen Namen.

 

 

 

Ihr Vertrag beim SC Sand läuft nur bis Sommer und wird nicht verlängert. Warum konnten der Verein und Sie sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen?

Richard Dura: Nach dem plötzlichen Abgang von Colin Bell zur Frauen-Nationalmannschaft nach Irland musste schnell eine Lösung gefunden werden. Damals im März hatten wir keine Zeit, uns richtig zusammenzusetzen. Deshalb haben der Verein und ich gesagt: bis Sommer. Inzwischen haben wir uns zusammengesetzt, zuletzt am Mittwochabend, um unsere Konzepte über die sportliche Zukunft des SC Sand auszutauschen. Ich konnte mir vorstellen weiterzumachen. Aber nicht um jeden Preis. Letztendlich sind der Verein und ich zu dem Schluss gekommen, unsere Zusammenarbeit nach dem 30. Juni zu beenden. Unsere Auffassungen über die sportliche Zukunft des SC Sand sind einfach zu unterschiedlich. Da wären die Kompromisse zu groß gewesen. Das hätte nicht gepasst

Finden Sie es nicht schade, dass schon nach nur vier Monaten Schluss ist?

Dura: Nein. Das gehört zum Geschäft.

Wie geht es bei Ihnen ab Sommer sportlich weiter?

Dura: Ich hatte diese Saison Anfragen - auch von einem Verbandsligisten im Männerbereich. Doch das ist jetzt kein Thema mehr. Ich muss nicht um jeden Preis einen Trainerjob haben. Wenn sich etwas ergibt, das passt, dann schon.

Was hat Sie am SC Sand gereizt, kurzfristig für Colin Bell einzuspringen?

Dura: Ich habe den SC Sand immer beobachtet und finde, dass es eine enorme Leistung ist, wie dieser Dorfverein die Bundesliga stemmt. Dazu gehören viele motivierte Leute. Da wollte ich dabei sein. Außerdem sehe ich die Aufgabe als Herausforderung. Man soll sich im Leben immer neuen Herausforderungen stellen.

Sie sind nach Dieter Wendling, Nico Koutroubis, Sven Kahlert, Alexander Fischinger und Colin Bell bereits der sechste Trainer innerhalb von rund zwei Jahren beim SC Sand. Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Dura: Nein, wenn man schaut, warum die Wechsel waren. Für Colin Bell zum Beispiel war es immer ein Traum, einmal Trainer einer Nationalmannschaft zu sein. Oder Alexander Fischinger: Nach dem Pokalfinale hörte er auf, weil ihm der zeitliche Aufwand einfach zu groß war.

Sie haben nie zuvor Frauen trainiert, ist das eine große Umstellung?

Dura: Ich mag den Vergleich zwischen Männer- und Frauen-Fußball nicht. Ich hole eine Mannschaft da ab, wo sie gerade steht. Da spielt es keine Rolle, ob es Männer oder Frauen sind. Als Trainer muss man flexibel sein. Ich sehe den Ist-Zustand - die Stärken und Schwächen einer Mannschaft. Daran arbeite ich.

Wo liegen die Stärken und Schwächen der Sander Mannschaft?

Dura: Das ist eigentlich Berufsgeheimnis. Aber sicherlich müssen wir unser Aufbauspiel verbessern. Eine der Stärken ist, dass der SC Sand sehr effektiv Fußball spielen kann. Derzeit erarbeiten wir uns zwar viele Chancen, doch wir nutzen nur 30 bis 40 Prozent. Das hat Ursachen. Jovana Damnjanovic war wegen eines Kreuzbandrisses verletzt. Sie benötigt noch Spielpraxis. Auch andere Spielerinnen waren immer mal angeschlagen.

Haben Sie eine Philosophie, eine bestimmte Vorstellung, wie der SC Sand Fußball spielen sollte?

Dura: Ich mag den Begriff Philosophie nicht. Philosophie heißt eigentlich, alles in Frage zu stellen. Für mich ist es wichtig, dass eine Mannschaft ständig an ihrer Entwicklung arbeitet. Sie darf nie stehenbleiben.

Sie haben mit Sand das DFB-Pokal-Endspiel am 27. Mai in Köln erreicht. Was bedeutet das für Sie?

Dura: Das ist ein Riesenhighlight - und dann noch zum zweiten Mal in Folge. Auch für mich ist das ein Riesenerfolg.

Im Vorjahr standen die Sanderinnen erstmals im DFB-Pokal-Endspiel. Damals unterlag der Dorfclub dem Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg. Was ist diesmal gegen Wolfsburg drin?

Dura: Wir wollen in keinem Fall nur Statisten sein - das war allerdings auch letztes Jahr bei der 1:2-Niederlage nicht der Fall. Wolfsburg wird uns nicht unterschätzen. In einem Pokalendspiel ist alles möglich. Von der Personaldecke und dem Leistungsvermögen ist Wolfsburg zwar favorisiert, doch als Underdog hat man nichts zu verlieren. Für uns ist es dieses Jahr ein Vorteil, dass viele nicht zum ersten Mal im DFB-Pokalfinale stehen.

Im Vorjahr hat sich der SC Sand nach dem Erreichen des Pokal-Finales komplett auf das Endspiel in Köln fokussiert, sodass die restlichen fünf Bundesliga-Spiele verloren gingen. Versuchen Sie die Pokal-Vorbereitung diesmal anders anzugehen?

Dura: Ja. Die Mannschaft hat nach dem 4:0 in Leverkusen direkt gesagt bekommen, dass sie bis Mittwoch den Finaleinzug genießen kann. Seit Mittwoch ist nun wieder Bundesliga-Alltag. Da heißt es, Erfolg zu haben. Wir sind keine Mannschaft, die Geschenke verteilt.

Am Sonntag kommt die SGS Essen zum Bundesliga-Spiel nach Sand. Was ist Ihr Plan?

Dura: Essen ist eine Mannschaft, die sich die gesamte Saison gut präsentiert und auch Spitzenteams geärgert hat. Erst vor kurzem haben sie Spitzenreiter Potsdam ein Unentschieden abgetrotzt. Dennoch wollen wir zu Hause gewinnen.

Sie trainieren jetzt sieben Wochen die Frauen des SC Sand. Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit?

Dura: Es macht einfach Spaß. Die Spielerinnen sind hochmotiviert und wollen Erfolg haben. Da können sich einige Männer-Mannschaften - auch aus dem bezahlten Bereich - einiges abschauen.

 


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